Seit der Naturforscher Johann Natterer im Jahr 1818 das letzte Mal einen dieser Aras in der Region dokumentierte, war es im Blätterdach des Tijuca-Massivs still um sie geworden. Was wie ein rein ästhetischer Verlust erschien, erwies sich als ökologische Wunde: Ohne die Aras fehlte dem Wald ein entscheidender Mechanismus. Etwa 90 Prozent der Flora des atlantischen Regenwaldes sind auf Tiere angewiesen, die ihre Samen verbreiten. Nur der Gelbbrustara besitzt die Kraft, mit seinem Schnabel jene harten Früchte zu öffnen, an denen andere Arten scheitern.

Marcelo Rheingantz, der Direktor von Refauna, hat sieben Monate damit verbracht, die Vögel auf diesen Tag vorzubereiten. Es war eine mühsame Arbeit der Erziehung: Die Tiere mussten lernen, ihre Flugmuskulatur in täglichen Übungen zu stählen, heimische Früchte als Nahrung zu erkennen und vor allem jene Distanz zum Menschen zu wahren, die ihr Überleben in einem Park sichert, der jährlich von fünf Millionen Menschen besucht wird.

Die Geschichte dieses Waldes ist selbst ein Zeugnis menschlicher Besinnung. Im Jahr 1861 ordnete Kaiser Pedro II. die Wiederaufforstung des Gebiets an, nachdem Kaffeeplantagen die Wasserquellen der Stadt ausgetrocknet hatten. Doch ein Wald besteht aus mehr als nur Bäumen; er ist ein präzises Uhrwerk aus Interaktionen. Die Rückkehr der Aras, die oft aus den Händen von Tierern aus illegalem Handel gerettet wurden, schließt einen Kreis, den die Abholzung vor zweihundert Jahren zerrissen hatte.

Während die Vögel über die Wipfel steigen, bleiben sie mit kleinen Sendern verbunden. Es ist ein vorsichtiger Neubeginn. Die Biologen wissen, dass die Aras zwar die Nähe des Menschen tolerieren, aber für ihre Brutplätze strengste Anforderungen an die Stille der alten Bäume stellen. Das Ziel ist nicht bloß die Anwesenheit eines schönen Vogels, sondern die Wiederherstellung einer uralten, funktionalen Gemeinschaft zwischen Tier und Pflanze.