„Ohne Scanner, ohne MRT, nur mit Ultraschall: Das ist wirklich Kunst“, sagt Professor Yakaria Coulibaly, der Leiter der Kinderchirurgie am Gabriel Touré. Der Name des Arztes aus Sikasso ist nicht bekannt. Seine Diagnose aber gab den Kollegen in Bamako Zeit, sich vorzubereiten.
Es war die vierte Schwangerschaft der Mutter. Die Mädchen kamen nach voller Tragzeit per Kaiserschnitt zur Welt, jedes wog etwa 2.500 Gramm. Sie waren über Teile der Blase und des Dickdarms verbunden und hatten eine gemeinsame Bauchwand. Dazu kam eine Fistel, eine krankhafte Verbindung zwischen Organen, die den Eingriff zusätzlich erschwerte. Öffentliche Vornamen haben die beiden noch nicht.
Klinikdirektor Professor Thierno Madani Diop stellte das Team zusammen: Kinderchirurgen, Anästhesisten, Intensivmediziner, Kardiologen, Radiologen, Apotheker und OP-Personal. Etwa zehn Ärztinnen und Ärzte standen am Tisch, alle aus Mali. Coulibaly lenkt die Anerkennung auf andere. Die größte Last habe bei der Anästhesie gelegen: „Sie haben die schwere Arbeit getan.“
Die Trennung gelang. Jedes Mädchen hat nun eine eigene Blase und eigene Harnwege. Den Dickdarm aber konnten die Chirurgen nicht teilen. Nur eines der Kinder besitzt ihn jetzt, das andere wird ein Leben lang auf medizinische Unterstützung angewiesen sein. Etwa einen Monat sollen die Schwestern noch im Krankenhaus bleiben.
Gesundheitsministerin Assa Badiallo Touré besuchte die Neugeborenen gemeinsam mit zwei Kabinettskolleginnen und nannte den Eingriff „wahrhaftig eine Meisterleistung“ für die spezialisierte Medizin des Landes. Die Angaben zu den genauen Tagen gehen in den Berichten auseinander, am Ablauf ändert das nichts.
Coulibaly nutzt die Aufmerksamkeit für eine nüchterne Forderung. Malische Krankenhäuser brauchen bessere chirurgische Ausrüstung, damit Familien mit schwierigen Fällen nicht mehr ins Ausland geschickt werden müssen. Die Familie Berthé musste das Land nicht verlassen. Ein Ultraschallgerät in Sikasso und ein Team in Bamako haben dafür gereicht.