In Muddenahalli, etwa sechzig Kilometer von der Metropole Bengaluru entfernt, hat Sri Madhusudan Sai einen Ort geschaffen, der eine der tiefsten Wunden der indischen Gesellschaft schließen soll. Während zwei von drei Indern in ländlichen Regionen leben, versieht dort weniger als ein Drittel der Ärzte seinen Dienst. In manchen Gegenden kommt ein einziger Mediziner auf 22.000 Menschen. Das im Jahr 2023 eingeweihte Institut ist die erste medizinische Hochschule des Landes, die für ihre Studenten keine Gebühren erhebt – weder für den Unterricht noch für die Lehrbücher oder die Verpflegung.
Doch diese Großzügigkeit ist kein bloßes Geschenk, sondern ein Vertrag zwischen Generationen. Wer hier studiert, verpflichtet sich nach dem Abschluss zu einem fünfjährigen Dienst in den Krankenhäusern des Instituts oder in anderen unterversorgten ländlichen Gebieten. Es ist ein Modell der Gegenseitigkeit, das darauf setzt, dass junge Menschen wie Damini die Sorgen ihrer Patienten aus eigener Erfahrung kennen. „Ich möchte Ärztin werden“, sagt sie, „nicht nur für mich, sondern für die Kinder in meinem Dorf, die Träume haben, aber keine Chance.“
Die praktische Ausbildung beginnt nicht erst im Operationssaal, sondern oft an der Schwelle einer Lehmhütte. Bei Besuchen in den umliegenden Dörfern lernen die Studenten, den Menschen zuzuhören. Ein Fakultätsmitglied berichtet von einer älteren Frau mit chronischem Bluthochdruck, die während der Untersuchung zu weinen begann. Es war nicht die körperliche Erleichterung durch die Medikamente, die sie rührte, sondern die bloße Tatsache, dass ihr jemand zum ersten Mal aufmerksam zugehört hatte.
Das angegliederte Sri Sathya Sai Sarla Memorial Hospital, das bereits während der Pandemie in weniger als zwölf Monaten errichtet wurde, bildet das Herzstück dieses Campus. Hier werden alle Behandlungen, von der Kardiologie bis zur Psychiatrie, unentgeltlich durchgeführt. Während ein zweites Krankenhaus mit 600 Betten bereits im Bau ist, zeigt das Projekt in Muddenahalli, dass medizinische Exzellenz nicht zwangsläufig an Wohlstand gekoppelt sein muss. In einer Welt, in der Bildung oft eine Ware ist, wird sie hier zu einem Werkzeug der Fürsorge, das in den Händen derer liegt, die selbst aus der Entbehrung kommen.