Vor dem Eingriff stand für die Familie vor allem eine Rechnung im Weg. Gerät, Operation und Nachbehandlung überstiegen, was sie aufbringen konnte. Das Implantat wurde kostenfrei eingesetzt.
Ein Cochlea-Implantat verstärkt keinen Schall, wie es ein Hörgerät tut. Ein Elektrodenträger wird in die Hörschnecke eingeführt und reizt den Hörnerv direkt; der äußere Prozessor sendet die Signale durch die Haut. Was ein Kind beim Einschalten wahrnimmt, ähnelt zunächst eher einem Piepen als Sprache. Erst nach Monaten sogenannter Mapping-Sitzungen, bei denen die Stromstärke jeder einzelnen Elektrode angepasst wird, ordnet das Gehirn den Signalen Bedeutung zu.
Auch Mahmoud Abdul-Rabih aus dem Dorf Beit Sawa in Ost-Ghouta bei Damaskus brachte seine beiden Kinder, Ghina und Adnan, nach Babisqa. Beide lernen jetzt, Geräusche zu erkennen, sie mit Wörtern zu verbinden und nach und nach zu sprechen.
Die meisten der operierten Kinder stammen aus Familien, die der Krieg vertrieben hat und die den Eingriff bisher nicht bezahlen konnten. Syrien hat kein landesweites Neugeborenen-Hörscreening; Eltern bemerken die Gehörlosigkeit ihres Kindes meist erst, wenn das Sprechen ausbleibt, oft nach dem 18. Lebensmonat. Und je später implantiert wird, desto mühsamer wird der Weg zur Sprache.
Vor 2011 gab es pädiatrische Implantatversorgung in Syrien praktisch nur in Damaskus und Aleppo. Ohrchirurgen und Audiologen gehörten zu den Berufsgruppen, die das Land in großer Zahl verließen. Die Einheiten im Nordwesten entstanden während der Kriegsjahre, weitgehend mit Geld von außen.
Was in Babisqa beginnt, ist kein abgeschlossener Vorgang, sondern der Anfang jahrelanger Arbeit: Sprachtherapie mehrmals wöchentlich, Nachjustierungen, irgendwann ein neuer Prozessor. Die Familien werden das tragen müssen. Doch für Ward, Ghina und Adnan hat sich die Welt bereits geteilt in ein Davor und ein Danach.