Im September des vergangenen Jahres lag dort, wo sonst Wasser stand, nur noch rissige Erde. Bahri Çoban, der im Viertel Çavuşçu wohnt, nannte damals zwei Gründe: mehrere Jahre mit wenig Regen und dazu eine Bewässerung, bei der die Felder ohne Kontrolle geflutet wurden. Mit dem Wasser zogen die Vögel fort. Berichten zufolge verließen 70 bis 80 Arten den See.
Von Natur aus ist der Çavuşçu ein Tektoniksee auf gut tausend Metern Höhe. Er ist flach, im Mittel nur etwa zwei Meter tief und von Schilf und Sumpfland umgeben. Drei Bäche speisen ihn. Ende der 1960er-Jahre schüttete die staatliche Wasserbehörde DSİ Dämme an seinem Nord- und Südufer auf und machte ihn zu einem Speicher für die Felder der Ebenen von Ilgın und Atlantı. Seither füllt ihn der Winter mit Schnee und Regen, und in jedem Sommer leert die Bewässerung ihn wieder ein Stück. Das Sumpfland an seinem Nordende hieß schon vor den Dämmen Kurugöl, „trockener See“.
Mit dem Regen kam das Wasser zurück. Der Umweltschützer und Naturfotograf Önder Metin hat den Anstieg dokumentiert: Im April standen 16 Millionen Kubikmeter im Becken, Anfang Juli etwa 30 Millionen. Das ist noch weit entfernt von den 190 Millionen des Jahres 1965, doch der See lebt wieder. Teams der Landwirtschaftsbehörde des Bezirks haben Fische eingesetzt. Früher wurden hier Karpfen, Spiegelkarpfen, Süßwassermeeräschen und Krebse gefangen. In den Gewässern leben auch zwei kleine Fischarten, die es nur im Inneren Anatoliens gibt. Auch die Vögel sind zurückgekehrt. Aus früheren Jahren sind am See Enten, Gänse, Pelikane, Flamingos und Kormorane beschrieben.
Abooğlu sagt, die Behörden hätten ihre Sache gut gemacht, und er wünscht sich, dass der See noch gesünder und schöner wird. Deshalb hat er ein paar Bitten an alle, die jetzt ans Ufer kommen. Sie sollen noch nicht mit der Angel fischen, denn die neuen Fische sind noch klein. Sie sollen keinen Müll liegen lassen.
Und sie sollen kein Wasser mehr heimlich aus dem See auf ihre Felder leiten.