Hinter ihr steht ihr Vater Koivi, und gemeinsam bewachen sie diese Kinderstube des Meeres. Es sind Propageln, speerförmige Triebe, die bereits am Mutterbaum zu kleinen Pflanzen gekeimt sind, bevor sie in den Schlamm fielen – ein seltener Vorgang, den Biologen Viviparie nennen, das Gebären lebender Nachkommen im Pflanzenreich. Was für den flüchtigen Betrachter wie ein undurchdringliches Dickicht aus Wurzeln und Mücken erscheint, ist für Mazzella Maniwavie der Ort ihrer glücklichsten Erinnerungen.
Als junges Mädchen begleitete sie ihren Vater, einen Meeresbiologen, auf seinen Expeditionen in genau diese Bucht. Heute leitet sie das Programm Mangoro Market Meri – die „Mangroven-Markt-Frauen“. Sie hat verstanden, dass man den Wald nicht gegen die Menschen schützen kann, sondern nur mit ihnen. Seit Port Moresby auf über 400.000 Einwohner angewachsen ist, lastet ein ungeheurer Druck auf dem Ökosystem; das Holz wird als Brennstoff und Baumaterial geraubt.
Mazzella Maniwavie setzt auf ein Bündnis, das so alt ist wie die Gemeinschaften selbst. In den Dörfern sind es zumeist die Frauen, die sich in den Gezeitenrhythmen bewegen. Sie lernen nun, die Scylla serrata, die kräftigen Schlammkrabben, nachhaltig zu ernten, anstatt die Bäume zu fällen. Mit Haken ziehen sie die Tiere aus ihren Höhlen, binden sie mit Lianen und bringen sie zum Koki-Markt, wo sie ein Einkommen erzielen, das ihre Unabhängigkeit sichert.
Es geht darum, den Wert des Waldes im Überleben derer zu verankern, die ihn jeden Tag betreten.
Während in den Bergen Männer wie Lawrence Micah Karten zeichnen, um illegale Holzfäller juristisch zu binden, organisieren sich die Frauen an der Küste als Hüterinnen. Sie verstehen die Mangrove nicht als Ressource, die man verbraucht, sondern als Schutzwall gegen die immer heftigeren Sturmfluten und als Tresor für Kohlenstoff. Wenn Mazzella heute durch das seichte Wasser der Bootless Bay watet, sieht sie nicht nur Pflanzen; sie sieht ein Versprechen, das sie ihrem Vater und der Zukunft ihrer Heimat gegeben hat.