Zwischen den Myriaden von Nachtfaltern und Käfern fielen dem Forscher der Anglia Ruskin University kleine, grüne Wesen auf, kaum einige Millimeter groß, mit hervorquellenden Augen und kräftigen Sprungbeinen. Es sind Blattzikaden, deren Gestalt an winzige Frösche erinnert – ein Umstand, der ihrer Gattung den Namen Batracomorphus gab. Helden, der seit vielen Jahren Studenten in diese abgelegene Region führt, ahnte in jener feuchten Hitze, dass er Zeuge von etwas Seltenem wurde: Seit 1981 war in ganz Afrika keine neue Art dieser Gruppe mehr beschrieben worden.

Die Identifizierung dieser Tiere verlangte Geduld und ein ruhiges Auge. Äußerlich sind sich die Arten dieser Gattung so ähnlich, dass nur die Untersuchung kleinster anatomischer Merkmale unter dem Mikroskop Gewissheit bringt. Es ist ein biologischer Mechanismus von Schloss und Riegel, der dafür sorgt, dass sich nur Angehörige derselben Art paaren können. Erst diese mühsame Detailarbeit im Labor von Cambridge bestätigte, dass sieben der in den Lichtfallen gefangenen Insekten der Wissenschaft gänzlich unbekannt waren.

Hinter der rein wissenschaftlichen Katalogisierung verbirgt sich eine persönliche Geste. Eine der neuen Arten taufte Helden Batracomorphus ruthae. Er benannte sie nach seiner Mutter Ruth, einer Wissenschaftlerin, die im Jahr 2022 verstarb und in ihm schon früh die Leidenschaft für die Natur entfacht hatte. So kehrt der Name einer Frau, die ihm den Weg wies, nun in den wissenschaftlichen Kanon eines fernen Waldes zurück.

Die Bedeutung dieser Funde reicht über die reine Taxonomie hinaus. Blattzikaden sind als Bewohner des Blätterdachs wesentliche Glieder der Nahrungskette; sie dienen Vögeln, Spinnen und anderen Insekten als Lebensgrundlage. Ihre Präsenz in den Höhenlagen von Kibale gilt als verlässlicher Indikator für ein ökologisches Gleichgewicht. Während der Forscher seine Proben ordnet, bleibt die Erkenntnis, dass selbst in den bereits kartierten Wäldern der Erde noch immer zahllose Lebewesen darauf warten, aus dem Schatten der Nacht ins Licht gerückt zu werden.