Das Paar hatte sein Nest Ende März oder Anfang April auf dem Ziegelaufbau des Museumsdachs errichtet. Gesehen worden waren Störche in der Gegend erstmals im Februar 2020, geblieben war bis dahin keiner. Kwon Seon-hak, der die Umweltgruppe Eul Pureun Namu leitet, bestätigte Anfang September, dass alle vier Jungvögel ausgeflogen sind.
Die Mitarbeiter des Museums hatten die Brut über Monate begleitet: Sie fütterten den wachsenden Küken Schmerlen zu und bauten einen erhöhten Nestturm, damit Bodenräuber der Familie nicht gefährlich werden konnten. Ein Fernsehteam von Daejeon MBC dokumentierte den Sommer für eine Sendung mit dem Titel Das Storchen-Wiederansiedlungstagebuch eines Naturforschers.
Dass dieses Nest überhaupt entstehen konnte, hat eine lange Vorgeschichte. Als Brutvogel verschwand Ciconia boyciana 1971 aus Korea: Vom letzten wilden Paar, gefunden im Landkreis Eumseong, wurde das Männchen wenige Tage später erschossen. Das Weibchen legte in Gefangenschaft nur unbefruchtete Eier und starb im September 1994 im Seoul Grand Park.
Die ersten in Gefangenschaft geschlüpften Vögel wurden im September 2015 in Yesan freigelassen, rund 55 Kilometer nordwestlich von Nonsan, ausgewählt wegen alter Brutnachweise und der Mischung aus Reisfeldern und niedrigen Hügeln. Von dort aus haben sich die Tiere über mehrere Provinzen verteilt. Neu an Nonsan ist, dass ein Paar nicht in einem Schutzgebiet brütete, sondern über einem öffentlichen Gebäude mit täglichem Publikumsverkehr.
Ähnliches war im November 2025 in der Bucht von Suncheon zu beobachten, gut 200 Kilometer entfernt. Dort tauchte ein wilder, unberingter Orientalischer Weißstorch auf, kurz nachdem die Stadt in den Anpung-Feldern Strommasten abgebaut hatte, um den überwinternden Schwarzkopfkranichen mehr Raum zu geben. Der Bürgermeister Noh Kwan-gyu sagte damals, die Natur antworte dem Menschen.
Die Art gilt auf der Roten Liste der IUCN als stark gefährdet und ist in Südkorea als Naturdenkmal Nr. 199 geschützt. In Nonsan hat sie sich ihren Platz selbst gesucht — auf einem Dach, das an eine Schlacht des Jahres 660 erinnert.