Die Rückkehr des Riesenotters ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer jahrzehntelangen Geduld. Seit den letzten Sichtungen im Jahr 1986 galt der „Lobo de Río“, der Flusswolf, in dieser Region als verloren. Sein Schicksal war eng mit seinem Wesen verknüpft: Die Tiere sind hochgradig sozial und lautstark; wenn ein Mitglied der Gruppe verletzt wurde, blieben die anderen bei ihm, was sie für Jäger zu einer leichten Beute machte. Zehntausende Felle wurden in der Mitte des letzten Jahrhunderts exportiert, bis die Stille in die Lagunen einzog.
Di Martino, der Naturschutzdirektor von Rewilding Argentina, verfolgt nun, wie die ersten Individuen ihre neue alte Heimat erkunden. Es ist ein diplomatisches und logistisches Kunststück, das bereits 2006 seinen Anfang nahm. Da es in ganz Argentinien keine Exemplare mehr gab, mussten Partner in Europa und den USA gewonnen werden. Zoos in Budapest, Halle und Eskilstuna sandten Tiere aus ihren Zuchtprogrammen in die Einsamkeit Südamerikas, um eine neue Ahnenreihe zu begründen.
Das Tier, das Di Martino durch sein Fernglas fixiert, trägt einen cremefarbenen Fleck an der Kehle – eine Zeichnung, so individuell wie ein menschlicher Fingerabdruck. Diese Markierung erlaubt es den Forschern, jedes Individuum zu identifizieren, während sie die Tiere dabei beobachten, wie sie ihre Baue tief in die Flussufer graben. Als Spitzenprädator übernimmt der Riesenotter eine ordnende Funktion im Wasser, reguliert die Fischbestände und stellt das empfindliche Gleichgewicht wieder her, das durch seine Abwesenheit gestört war.
Hinter der wissenschaftlichen Notwendigkeit steht eine menschliche Entscheidung. Die Provinzregierung von Corrientes und die Nationalparkverwaltung haben sich entschlossen, die Wildnis nicht nur zu verwalten, sondern sie aktiv zu heilen. Für Di Martino ist es mehr als ökologische Restauration; es ist die Wiedergutmachung eines alten Fehlers, ein spätes Geschenk an ein Ökosystem, das nun wieder seine volle Stimme zurückerhält.