Das Handwerk von Rodríguez beginnt lange vor dem ersten Schnitt. Es erfordert Geduld, das richtige Holz zu finden, meist die Tea, das dunkle, harzgetränkte Kernholz der kanarischen Kiefer, die in den Hochlagen zwischen 400 und 2.200 Metern wächst. Dieses Holz atmet die Geschichte des Archipels; es ist zäh, eigenwillig und verzeiht keine Fehler. Unter seinen Händen verwandelt sich das spröde Material in die sanft geschwungenen Formen der Timples, Lauten und Bandurrias, die den Rhythmus der Folías tragen.
Jedes Instrument ist ein Unikat, dessen Entstehung oft bis zu 80 Arbeitsstunden in Anspruch nimmt. Besonders die charakteristische Wölbung auf der Rückseite der Timple, im Volksmund joroba genannt, verlangt ein feines Gespür für die Spannung des Holzes. Rodríguez beherrscht diese alte Technik des Biegens und Formens in einer Weise, die es modernen Musikern erlaubt, die klangliche Tiefe vergangener Jahrhunderte auf die Bühnen der Gegenwart zu bringen.
Die Ehrung in der historischen Altstadt von La Laguna, einem Ort, der selbst zum Weltkulturerbe zählt, markiert mehr als nur eine persönliche Anerkennung. Nach den schweren Jahren, in denen der Vulkanausbruch im Aridane-Tal die sozialen und wirtschaftlichen Gefüge der Insel erschütterte, ist das Wirken von Menschen wie Rodríguez ein Anker der Beständigkeit. Er lehrt nicht nur, wie man Holz biegt, sondern wie man Identität stiftet.
Wenn Rodríguez nach Los Llanos zurückkehrt, wird er wieder den Geruch von frischem Harz in der Nase haben und das feine Messer ansetzen. Es geht ihm nicht um den Applaus, sondern um jenen einen Moment, in dem ein Stück Holz zum ersten Mal einen Ton von sich gibt – klar, warm und untrennbar mit der Erde von La Palma verbunden.