Der Boden, auf dem Twagirimana steht, war lange erschöpft. Über Generationen hatten saisonale Feldfrüchte die Erde schutzlos dem Regen preisgegeben, der mit großer Wucht über die Hügel auf bis zu 2.000 Metern Höhe zieht. Nun aber wächst eine neue Verbindung zwischen dem Wald und den Menschen, die an seinem Rand leben. Twagirimana gehört zu den 342 Haushalten, die sich entschlossen haben, ihre Existenz nicht mehr gegen den Wald, sondern mit ihm zu sichern.
Der Busaga-Wald ist ein schmales Refugium von etwa 152 Hektar, ein seltener Restbestand der ursprünglichen Bergregenwälder Ruandas. Für den Kappengeier, dessen weltweite Bestände in den letzten Jahrzehnten dramatisch eingebrochen sind, stellt dieses kleine Stück Land die letzte Bastion für die Aufzucht seiner Jungen im ganzen Land dar. Die Vögel bauen ihre Nester hoch oben in den Astgabeln der alten Baumriesen, doch der Hunger nach Feuerholz und neuem Ackerland rückte dem Dickicht immer näher.
Die Entscheidung für veredelte Avocado-Bäume ist eine von kühler Vernunft getragene Geste der Fürsorge. Diese Bäume binden mit ihrem dichten Wurzelwerk den Oberboden der Terrassen und bieten den Familien nach wenigen Jahren ein stabiles Einkommen durch den Export. Für Twagirimana hat sich das Bild des Waldes gewandelt: Er ist nicht länger ein Konkurrent um den Platz, sondern ein Partner. Indem die Bauern ihre eigenen Baumkulturen auf den Hängen pflegen, schwindet die Notwendigkeit, für Nahrung oder Brennholz tiefer in das Schutzgebiet vorzudringen.
Es ist eine Arbeit der großen Geduld. Während Twagirimana die Erde um den Stamm festdrückt, sichert er die Ruhe jener Vögel, die über ihm im Aufwind gleiten. Die rötliche Gesichtshaut der Geier, die sich bei der Balz tief dunkel färbt, findet ihr Echo in der Farbe des Bodens, den die Menschen nun wieder fruchtbar machen. In Busaga zeigt sich, dass der Schutz einer Kreatur oft mit der Sorge um den Menschen beginnt, der neben ihr die Erde bestellt.