Das Wadi Sakia El Hamra ist kein gewöhnlicher Fluss; es ist ein pulsierendes Versprechen inmitten der Trockenheit. Über eine Distanz von 400 Kilometern zieht es sich durch die Wüste, bis es bei Laayoune in ein weitläufiges Feuchtgebiet mündet. Seit die Region im April 2019 unter den Schutz der Ramsar-Konvention gestellt wurde, hat sich der Blick auf diese Landschaft gewandelt. Was früher nur als Hindernis oder bloße Ressource galt, wird heute als lebensnotwendiger Trittstein für die großen Wanderungen der Erde begriffen.

Hier, wo der jährliche Niederschlag kaum 60 Millimeter erreicht, haben die Natur und menschliche Voraussicht eine Oase der Beständigkeit geschaffen. Der Ornithologe Hamid Rakibi Idrissi beobachtet an diesem Ort ein Wunder der Anpassung: Wasservögel, die eigentlich kühlere Gefilde gewohnt sind, nisten das ganze Jahr über in der gleißenden Sonne der Sahara. Sie finden Nahrung in den dichten Schilfbeständen der Phragmites australis, während über ihnen der westliche Migrationskorridor die Himmel über Europa und dem subsaharischen Afrika verbindet.

Die Stille am Wasser wird nur durch das flache Schlagen von Flügeln unterbrochen. Für den Umweltschützer Mohammed Adel Asfoury ist das Wadi längst mehr als ein Forschungsobjekt; es ist ein Rückzugsort für bedrohte Arten wie die Marmelente geworden. Das moderate Mikroklima des Tals mildert die Härte der Umgebung ab und macht den Ort zu einer Kinderstube des Lebens.

Bati und seine Mitstreiter planen nun den nächsten Schritt der Zuwendung. Ein ökologischer Lehrpfad und ein Bildungszentrum sollen entstehen, damit die Menschen in Laayoune verstehen, dass das Rot ihres Flusses nicht nur Staub bedeutet, sondern die Farbe eines Herzschlags in der Wüste ist. Es ist die Entscheidung, dem Wasser beim Verweilen zuzusehen, statt es nur fließen zu lassen.