In dem kleinen Dorf Song Ho schien die Zeit gegen die Tradition zu arbeiten. Wo früher hunderte Familien die berühmten Dong-Ho-Malereien für das Neujahrsfest fertigten, verdrängten moderne Druckmaschinen im späten 20. Jahrhundert die langsame, bedächtige Arbeit der Vorfahren. Es ist der Beharrlichkeit einzelner Männer wie dem Altmeister Nguyen Dang Che zu verdanken, dass die historischen Druckstöcke aus dem 19. Jahrhundert nicht als Brennholz endeten, sondern heute wieder als Werkzeuge der Schönheit dienen.
Die Farben dieser Bilder stammen nicht aus Tuben, sondern aus der Erde und dem Feuer. Das tiefe Schwarz wird aus der Asche verbrannter Bambusblätter gewonnen, das Weiß aus zerstoßenen Muschelschalen. Wer über die Oberfläche eines frischen Drucks streicht, spürt den feinen, glitzernden Schimmer des Muschelpulvers, das mit klebrigem Reisbrei vermengt wurde, um dem Papier eine fast mineralische Festigkeit zu verleihen.
Als der stellvertretende Direktor Do Tuan Khoa im Kulturzentrum von Bac Ninh das offizielle Zertifikat entgegennahm, standen im Publikum jene Handwerker, deren Wissen nun als „dringend erhaltenswert“ eingestuft ist. Es ist mehr als eine bürokratische Geste; es ist die Zusage, dass die Techniken des Dorfes Song Ho nicht mit der jetzigen Generation der Greise sterben werden. Zwischen den Ständen mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und den Klängen des Quan-Ho-Gesangs wurde deutlich, dass diese Kunstform kein Museumsstück ist, sondern ein lebendiger Teil der Identität einer ganzen Region.
Die Ausstellung zeigt Szenen des täglichen Lebens, Symbole des Wohlstands und geistliche Motive, die nun wieder auf dem traditionellen Do-Papier entstehen. In einer Welt der flüchtigen digitalen Bilder ist diese Rückkehr zur Materie – zum Holz, zur Asche und zum Muschelkalk – ein Akt der Beständigkeit.