Odro lehrt als Principal Lecturer für Mental Health Studies an der Middlesex University im Norden Londons. Er hätte eine Spende schicken können. Stattdessen ging er zu seinem Nachbarn.

Nesad Causevic ist Spezialist für Rollstuhltechnik. In Großbritannien werden Rollstühle ausgemustert, weil sich der Zustand des Nutzers ändert oder weil ein Nachfolgemodell kommt – brauchbare Geräte, für die niemand mehr Verwendung hat. Causevic sammelte sie ein. In Ghana übernahm Alhaji Meffle, früher Regionalleiter der staatlichen IT-Behörde NITA für die Central Region, den Vorsitz der Initiative; er führt sie bis heute.

Die erste Sendung bestand aus dreizehn Rollstühlen und hundert Ersatzrädern. Das Verhältnis erklärt sich von selbst, wenn man die Straßen kennt: Reifen und Schläuche verschleißen auf unbefestigtem Untergrund schnell, und ein Rollstuhl ohne Rad ist ein Möbelstück. Wer aus Europa Geräte schickt, muss die Ersatzteile mitdenken.

Die Matratzen und die Chopboxen sind der stillste Teil der Lieferung und vielleicht der klügste. Cape Coast ist eine Schulstadt; Mfantsipim, Adisadel College, Wesley Girls' – die meisten Oberschulen Ghanas sind Internate. Seit der Staat 2017 die Schulgebühren übernommen hat, ist der Unterricht frei. Die Ausstattungsliste aber bleibt bei den Familien: Matratze, Eimer, Decken und eine Chopbox, jene abschließbare Truhe aus Metall oder Holz, in der die Vorräte im Schlafsaal lagern. Das Wort kommt vom westafrikanischen «chop» für Essen. Wer die Liste nicht erfüllen kann, tritt die Schule später an – oder gar nicht.

Odros Tochter Maame Samma Peprah, Chefin des ghanaischen Unternehmensregisters, trägt die Initiative inzwischen mit. Über das, was verteilt wird, sagt sie wenig. Über das Warum sagt sie: «Es geht um Würde, um Unabhängigkeit und darum, dass Menschen mit Behinderung die Möglichkeit haben, vollständig am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.»

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass in ressourcenarmen Regionen nur fünf bis fünfzehn Prozent derer, die einen Rollstuhl brauchen, einen passenden besitzen. Dreizehn Stühle ändern an dieser Zahl nichts. Sie ändern etwas für dreizehn Menschen, und das sechzehn Jahre lang, Sendung für Sendung, von einem Vorgarten in Hendon bis in einen Park am Atlantik.