Es ist eine Arbeit ohne Eile. Die Panduros nutzen keine Formen; jede Figur ist ein Unikat, entstanden aus einer flüchtigen Bewegung und dem Wissen von vier Generationen. Ihr Urgroßvater Pantaleón Panduro war ein Autodidakt indigener Herkunft, der im 19. Jahrhundert die Großen des Landes in Ton verewigte. Es heißt, er habe Porträts von Passanten gelegentlich vollständig unter seinem Poncho geformt, verborgen vor neugierigen Blicken, bis die Ähnlichkeit vollkommen war. Heute bewahrt ein Museum seinen Namen und sein Werk, doch das eigentliche Erbe liegt in der täglichen Verrichtung seiner Urenkelin.
Graciela hat jüngst eine Kollektion von etwa 150 Figuren vollendet – Wissenschaftler, Lehrer und Ärzte. Es ist eine stille Chronik der menschlichen Leistung, geformt aus dem Boden von Tlaquepaque, dessen Name aus dem Nahuatl stammt und schlicht „Ort über Lehmboden“ bedeutet. Dass sie als Sechsjährige ihre erste Figur, einen Christus aus Ton, verkaufte, war kein geschäftlicher Akt, sondern der Beginn einer lebenslangen Bindung an die Materie.
Die Technik des barro policromado en frío verlangt eine Geduld, die in der modernen Fertigung kaum noch Platz findet. Bevor die Farben aufgetragen werden, müssen die Stücke drei Tage im Schatten und drei weitere Tage in der brennenden Sonne Mexikos ruhen. Nur so überstehen sie die Hitze der Öfen, in denen sie für Stunden gehärtet werden. Während ihre Geschwister heute im Betrieb mithelfen, blickt Graciela auf die nächste Generation. Ihr Wunsch ist so schlicht wie das Material, mit dem sie arbeitet: Dass die Hände der Jungen den Kontakt zum Lehm nicht verlieren, wenn sie selbst einmal die Arbeit niederlegt.