Die Hände von Pol Polloniato kennen den Widerstand des Tons, seit er ein Kind war. Er wurde 1979 in eine Familie von Dekorateuren hineingeboren, deren Stammbaum so tief in der Erde von Nove verwurzelt ist wie der Kaolin selbst. Doch als er nach seinem Studium an der Accademia di Belle Arti di Venezia in seine Heimatstadt zurückkehrte, fand er eine Industrie vor, die nach der Wirtschaftskrise von 2009 unter der Last der Globalisierung zu ersticken drohte. Die alten Werkstätten waren verstummt, die Gussformen der Ahnen lagerten unbeachtet in dunklen Regalen.

Hier begann seine Arbeit als „Artiere“ – ein Begriff, der die Grenze zwischen dem schöpferischen Geist des Künstlers und der beharrlichen Präzision des Handwerkers auflöst. Polloniato begann, die historischen Formen des 18. und 19. Jahrhunderts zu bergen. Er gießt sie nicht einfach ab, um Repliken zu schaffen; er bricht sie auf, kombiniert sie neu und verfremdet sie. Aus einem barocken Ornament und einer industriellen Struktur entsteht ein Objekt, das die Gegenwart bezeugt, ohne die Herkunft zu verleugnen. Es ist eine stille Rebellion gegen die Massenfertigung, ein Bekenntnis zum kulturellen Wert des Unikats.

Eine neue wissenschaftliche Studie, die im European Journal of Cultural Management and Policy erscheint, beschreibt diesen Weg als Modell für die Regeneration ganzer Industriebezirke. Forscher identifizierten vier Phasen in Polloniatos Wirken: von der kulturellen Verwurzelung über das Experiment bis hin zur Rückkehr in die Gemeinschaft. Er hat bewiesen, dass ein einzelner Mensch durch die Rückbesinnung auf die Technik der Väter einen Ort verwandeln kann, der sich bereits aufgegeben hatte.

Noch heute liegen die weißen Quarzsteine im Bett der Brenta, dieselben, die seine Vorfahren einst sammelten und zu feinstem Mehl mahlten, um die Glasuren zu härten. Wenn Polloniato heute durch die Gassen von Nove geht, begegnet er nicht mehr nur Ruinen einer industriellen Vergangenheit, sondern einer lebendigen Werkstatt. Sein Werk zeigt, dass Tradition nicht das Bewahren der Asche ist, sondern das Weitergeben des Feuers – oder in seinem Fall: das neue Brennen des Tons.