Jahrelang arbeitete Alsayed für die Associated Press aus der Provinz Idlib, dem letzten großen Gebiet der Opposition im Nordwesten des Landes. Seine Bildzeilen liefen aus Idlib, aus Sarmada, aus Atmeh, aus den Vertriebenenlagern zwischen den Olivenhainen an der türkischen Grenze. Er dokumentierte das Erdbeben vom Februar 2023, das dieselbe Gegend traf. Bis nach Damaskus sind es rund 300 Kilometer. Zwischen ihm und der Hauptstadt lagen Frontlinien, die diese Entfernung unüberwindbar machten.
Das Gebäude, in dem seine Bilder nun hängen, trägt den Namen Massar Rose und steht an der Shukri-al-Quwatli-Straße. Die dänischen Architekten von Henning Larsen gewannen 2008 den Wettbewerb für ein Entdeckungszentrum für Kinder, in Auftrag gegeben vom Syria Trust for Development; der Grundriss antwortete auf die Lage am Fluss mit der Form einer damaszenischen Rose. Nach 2011 kamen die Arbeiten zum Erliegen. Der Rohbau blieb stehen, unausgebaut, und die Spuren des Krieges sind an seinen Wänden geblieben. Niemand hat sie für die Ausstellung übertüncht.
Die Infrastruktur der syrischen Gegenwartskunst hatte das Land früh verlassen. Die Ayyam Gallery, 2006 von den Cousins Khaled und Hisham Samawi in Damaskus eröffnet, schloss ihre Räume und verlegte den Betrieb nach Dubai und Beirut; ihr Förderprogramm Shabab Ayyam hatte mehrere jener Maler vertreten, die nun wieder in Damaskus hängen. Die Galerie von Mouna Atassi, 1986 in Homs gegründet und 1993 nach Damaskus übersiedelt, ging denselben Weg und wurde 2016 zur Atassi Foundation in Dubai, die seither ein digitales Archiv syrischer Kunst aufbaut. Wer in den vergangenen zehn Jahren einen ernsthaften Überblick über syrische Gegenwartskunst sehen wollte, fuhr nach Dubai, Beirut oder London.
Die Art Week Syria, gegründet und kuratiert von Line Kouwatli mit Artopia UAE als Träger, versucht dieses Gespräch dorthin zurückzuholen, wo es angefangen hat. Neben Alsayed zeigt der Fotograf Ammar Abd Rabbo seine Arbeiten, dazu Maler der sogenannten Apex Generation: Nihad Al Turk, Abdul Karim Majdal Al Beik, Othman Mousa, Mohannad Orabi, Kais Salman.
Vor dem Gebäude verläuft der Barada. Durch die Innenstadt ist er seit Jahren meist ein leerer Betonkanal, ausgetrocknet von Entnahmen flussaufwärts und einer Reihe von Dürrejahren. Alsayed ist von der Grenze bis an dieses Ufer gekommen, und seine Bilder hängen an einer Wand, die den Krieg noch zeigt.