Die Antwort fiel nüchtern aus. Das Team um den Bioinformatiker Albert Noblezada und die Biologen Persie Mark Sienes und Robert Guino-o las 2,5 Milliarden DNA-Buchstaben und bestimmte 24.531 Gene. Abrahams Heterozygotie — das Maß dafür, wie verschieden die beiden Chromosomensätze eines Tieres voneinander sind — liegt bei 0,17. Als gesund gilt ein Wert ab 0,3. Die Nachzuchten in den Gehegen sind untereinander zu nah verwandt.

In derselben Datenmenge fand sich aber auch ein seltenes Allel, getragen von einem einzigen fortpflanzungsfähigen Tier. Wird es gezielt verpaart, könnte es der Population Erbmaterial zurückgeben, das sonst mit ihm verschwände. Zuchtbücher, die bisher nur Stammbäume verzeichneten, lassen sich nun durch Genomdaten ersetzen: nicht mehr die Frage, wer mit wem verwandt ist, sondern wer welche Gene besitzt.

Der Hirsch trägt den Namen eines Prinzen. Alfred, Herzog von Edinburgh und zweiter Sohn Königin Victorias, schickte 1870 ein Exemplar nach London, wo der Zoologe Philip Lutley Sclater es als Cervus alfredi beschrieb. Mehr als ein Jahrhundert lang galt das Tier als Unterart größerer Verwandter, bis Peter Grubb und Colin Groves es 1983 als eigene Art anerkannten. Da war sein Lebensraum längst geschrumpft. Auf Cebu, Guimaras, Leyte, Masbate und Samar ist er ausgestorben; geblieben sind Negros und Panay.

Wie schmal der Grat ist, zeigte sich 2009, als eine Expedition auf Panay erstmals seit über 25 Jahren wieder physische Belege für eine wildlebende Population sicherstellte. Bis dahin hatte niemand mit Gewissheit sagen können, ob dort noch Hirsche lebten.

Nun sollen die Tiere wieder wandern — zwischen den drei Zuchtstationen CENTROP, dem Mari-it Wildlife and Conservation Park und dem Negros Forest Park. Und im 300 Hektar großen Bayawan Nature Reserve wollen die Forscher versuchen, was bislang niemand gewagt hat: Nachzuchten und wilde Tiere zusammenzuführen und zu sehen, ob die Linien wieder ineinanderfinden.