Die Tierärztin war im Juli mit Feldforschern der Naturschutzorganisation SPVS und einem Team von Bio-Manguinhos in die Restinga gekommen, den niedrigen Wald auf sandigem Küstenboden. Bio-Manguinhos gehört zur Oswaldo-Cruz-Stiftung in Rio de Janeiro und hatte den Impfstoff hergestellt. Die Tiere, um die es ging, wiegen ausgewachsen etwa sechshundert Gramm. Das Schwarzkopf-Löwenäffchen, auf Portugiesisch mico-leão-caiçara, war der Wissenschaft bis 1990 unbekannt. Erst dann fanden die Biologinnen Maria Lúcia Lorini und Vanessa Guerra Persson es auf dieser Insel.

Dem Team blieb wenig Zeit. Nach dem Verdünnen ist der Gelbfieberimpfstoff nur drei Stunden lang wirksam, und die Narkose hielt jeweils etwa fünfzig Minuten an. In dieser Spanne mussten die Forscher Blut abnehmen, einen Mikrochip einsetzen, ein Funkhalsband anlegen und die Impfung geben. Jeder Handgriff musste sitzen, denn ein zweiter Versuch hätte das Tier erneut in Gefahr gebracht.

Hinter dem Aufwand steht eine Erfahrung, die Brasiliens Primatenforscher nicht vergessen haben. Zwischen 2016 und 2018 zog eine Gelbfieberwelle durch den Südosten des Landes. Sie tötete Tausende Brüllaffen, und der Bestand der Goldenen Löwenäffchen fiel von etwa 3700 Tieren auf rund 2500. Danach begann die Associação Mico-Leão-Dourado gemeinsam mit der Oswaldo-Cruz-Stiftung, diese Verwandten im Bundesstaat Rio de Janeiro zu impfen. Die Arbeit auf Superagui baut auf diesem Vorbild auf.

Für die Schwarzkopf-Löwenäffchen wäre eine solche Welle noch gefährlicher. Von den anderen Löwenäffchen-Arten leben Tiere auch in menschlicher Obhut, von dieser nicht. Ein einziger Ausbruch könnte sie auslöschen. Hinzu kommt der Varadouro-Kanal, der in den 1950er-Jahren gebaut wurde. Er zerschnitt ihren Lebensraum und trennte die Tiere in São Paulo von denen in Paraná.

Drei geimpfte Affen schützen noch keine Art. Das Programm will deshalb weitere Gruppen impfen und später eine Reservepopulation in menschlicher Obhut aufbauen. Bis dahin tragen drei Tiere in der Restinga von Superagui ein Funkhalsband und Antikörper im Blut, und die Forscher können nun verfolgen, wo sie sich bewegen.