Neben Ramírez standen die Audiologin Karina Firo Guadarrama und María Belén Alonso, die Leiterin der HNO-Abteilung des Hauses, am Tisch. Das Krankenhaus in Mitras Norte ist Referenzzentrum für vier Bundesstaaten und gut neun Millionen Versicherte; Familien wie die von Patricio mussten für einen solchen Eingriff bisher quer durchs Land reisen oder ihn privat bezahlen, was für die meisten bedeutete: gar nicht.
Am 28. August wurden die Prozessoren aktiviert. Seine Mutter, Blanca Patricia, fasste es in einem Satz zusammen, den sie seither offenbar oft wiederholt: „Ich bin der Institution sehr, sehr dankbar. Ich sage ihnen immer: Das IMSS öffnet Welten."
Dass dieser Satz überhaupt möglich wurde, verdankt sich einer juristischen Neulesung. Bis zum Sommer 2024 bezahlte Mexikos Sozialversicherung keine Cochlea-Implantate; erst als der Technische Rat des IMSS das Sozialversicherungsgesetz neu auslegte, durften Kinder und Jugendliche mit Hörbehinderung die Geräte erhalten. Die erste institutionelle Operationsserie lief zwischen Oktober und Dezember 2024 in Guadalajara und umfasste fünfzehn Kinder aus Tabasco, Querétaro und Coahuila. Die Kollegen dort operierten an Wochenenden, außerhalb des regulären Plans, und kamen bis Mitte 2026 auf 82 pädiatrische Implantate.
Monterrey beginnt nun sein eigenes Programm. Die Zahlen dahinter sind nüchtern und unerbittlich: In Mexiko kommen jährlich rund 6.000 Kinder mit einer Hörschädigung zur Welt, und mehr als vier Fünftel von ihnen werden erst nach dem ersten Geburtstag diagnostiziert — in jenen Monaten also, in denen das Gehirn Sprache am gierigsten aufnimmt. Nur 7,7 Prozent der Neugeborenen werden überhaupt auf ihr Gehör getestet. Nuevo León steht mit 22,7 Prozent landesweit an der Spitze, was mehr über den Rest des Landes sagt als über Nuevo León.
Ein Implantat ist kein Schalter, sondern ein Anfang. In Guadalajara wird der externe Prozessor fünfzehn Tage nach der Operation eingeschaltet, danach folgen Kontrollen alle zwei Monate und 96 Sprachtherapiesitzungen pro Kind — die eigentliche Arbeit liegt in den Jahren, die auf die sieben Stunden folgen, und sie wird von Audiologen, Neurologen, Genetikern und Rehabilitationsmedizinern gemeinsam getragen.
Mitte Februar standen dreizehn Kinder und zwei Erwachsene auf der nationalen Warteliste. Für die Familien im Nordosten liegt der Operationssaal von nun an in derselben Stadt.
Das IMSS öffnet Welten.