Das Café Inclusivo Aguas Magallanes begann am 22. August mit einem stillen Probebetrieb, ehe es zwei Wochen später offiziell eröffnet wurde. Vier Angestellte teilen sich die Schichten. Eine Ergotherapeutin ist täglich vor Ort und begleitet sie dabei, den Ablauf zu lernen: Bestellung, Zubereitung, Kasse, Gespräch mit dem Gast.

„Es bewegt mich sehr, arbeiten und lernen zu können und dazu beizutragen, dass diese Cafeteria funktioniert", sagte Evelyn beim Probelauf.

Hinter dem Projekt stehen die Stadtverwaltung von Punta Arenas, der Wasserversorger Aguas Magallanes und die Corporación Edudown, die seit 26 Jahren Menschen mit Down-Syndrom begleitet. Finanziert wurde das Café von zwei Unternehmen: Aguas Magallanes und dem Lachsverarbeiter Blumar. Christian Adema Galetovic, Regionalleiter des Wasserversorgers, sagte bei der Eröffnung, die Arbeit werde den vieren erlauben, „dem Leben auf eine andere Weise zu begegnen".

Punta Arenas liegt am äußersten Süden des Kontinents, rund 3.000 Straßenkilometer von der Hauptstadt entfernt, wobei man Argentinien durchqueren muss. Mitarbeiter von Edudown beschreiben die Lücke in der Region nüchtern: Frühförderung für Kinder gebe es bereits, Angebote zur Arbeitsintegration nicht. Das Café ist als formaler Einstieg gedacht — ein Ort, an dem man Routinen, Selbstständigkeit und den Umgang mit Kunden erlernt, um später anderswo arbeiten zu können.

Bürgermeister Claudio Radonich Jiménez sprach über die Arbeitslust der vier und fasste es in einem Satz zusammen: „Die schönste Bedienung, die wir bekommen können, ist die von diesen jungen Leuten."

Zwei Tage vor der Einweihung kam Chiles First Lady María Pía Adriasola in die Bibliothek. Sie traf die vier Angestellten und deren Familien. „Inklusion darf nicht bei Worten bleiben", sagte sie.

Die Theke im Eingangsbereich war Teil des ursprünglichen Entwurfs. Sieben Jahre lang wurde gebaut, ohne dass festgelegt war, wer dort einmal stehen würde.

Für Edudown ist es nicht das erste Café. In La Serena betreibt die Organisation eines an der Küstenstraße, überwiegend mit Menschen mit Down-Syndrom und Autismus im Team; 2023 erhielt es den Premio Fuego des chilenischen Gastronomieverbandes. Chile verzeichnet etwa 24,7 Geburten mit Down-Syndrom auf 10.000 Lebendgeburten, die höchste in Lateinamerika dokumentierte Rate.