Es war das Jahr 2000, als das erste Exemplar aus einer Tiefe von rund 1.000 Metern an die Oberfläche gezogen wurde. Später verfing sich ein weiteres Tier in den Langleinen der chilenischen Seehecht-Fischer, die in den kalten Strömungen des Pazifiks nach dem Patagonischen Zahnfisch suchten. Ein drittes Exemplar lag jahrelang unkatalogisiert in den Schubladen des chilenischen Naturhistorischen Museums, ein stiller Zeuge, dessen Bedeutung erst jetzt, durch den Abgleich mit internationalen Sammlungen in Deutschland und den USA, vollends verstanden wurde.
Die Forscher gaben der neuen Art den Namen Graneledone sellanesi, zu Ehren des Meeresbiologen Javier Sellanes. Das Tier unterscheidet sich von seinen Verwandten durch eine charakteristische, warzige Textur der Haut und eine genetische Signatur, die es als eigenständiges Glied in der Kette der Evolution ausweist. In der absoluten Finsternis seines Lebensraums hat der Oktopus jene Verteidigungsmechanismen abgelegt, die im Licht sinnvoll wären: Er besitzt keinen Tintensack, denn eine Wolke aus Schwarz böte in der ohnehin schwarzen Tiefe keinen Schutz.
Ibáñez betont die Geduld, die diese Arbeit erforderte. Es ist die Anatomie der Arme, die nur eine einzige Reihe von Saugnäpfen aufweist, die das Tier von den bekannteren Arten der flacheren Küstengewässer trennt. Diese Oktopusse folgen einem langsamen Rhythmus; in den kühlen Tiefen bei Temperaturen um die drei Grad Celsius legen sie nur wenige, dafür ungewöhnlich große Eier, die sie über Jahre hinweg bewachen könnten.
Die Identifizierung von Graneledone sellanesi war kein einsamer Akt, sondern das Ergebnis einer weltweiten Korrespondenz. Wissenschaftler aus Mexiko, Russland, Neuseeland und anderen Nationen trugen Daten bei, um die Einzigartigkeit dieses Wesens zu bestätigen. Es ist ein Akt der Ordnung in der Unendlichkeit des Ozeans, ein Versuch, jene Wesen zu benennen, die in einer Welt leben, die wir Menschen niemals ohne technische Hilfe betreten werden.