Im Januar 2026 zog sie die Konsequenz. Sie verließ die Bank und gründete ZimbOriginal, eine Online-Plattform, auf der Shona nicht über Vokabellisten vermittelt wird, sondern über Geschichten, Lesekreise und ein Verfahren, das sie buddy pairing nennt: Eine Lernende wird mit einer Person gepaart, die die Sprache spricht, und dann wird geredet. Fünfzig Dollar im Monat kostet das.
Die Schülerinnen und Schüler verteilen sich über Simbabwe, Kanada, Australien, Südafrika, Irland und Schottland. Chidovi hat dabei etwas beobachtet, das für den Lernerfolg mehr zählt als Talent. „Wenn Menschen fort von zu Hause sind, sehnen sie sich mehr nach Hause, als wenn sie zu Hause sind."
Dass ausgerechnet diese Sprache Nachhilfe braucht, hat mit ihrer Geschichte zu tun. Das heutige Standard-Shona ist eine Konstruktion: Clement Doke, ein südafrikanischer Linguist im Auftrag der Regierung von Südrhodesien, verschmolz 1931 die Dialektgruppen Zezuru, Karanga, Manyika, Korekore und Ndau zu einer einzigen Schriftform – damit Schulbücher und Bibelübersetzungen einmal gedruckt werden konnten statt fünfmal. Zweimal, 1955 und 1967, wurde die Rechtschreibung danach noch überarbeitet.
Shona ist Schulfach und wird vom Prüfungsrat ZIMSEC abgefragt. Doch oberhalb der frühen Grundschulklassen wird überwiegend auf Englisch unterrichtet. Viele in Simbabwe aufgewachsene Erwachsene lesen deshalb Englisch flüssiger als die Sprache ihres Elternhauses.
Auf den großen Lern-Apps ist Shona kaum präsent. Duolingos einziger länger bestehender Kurs südlich der Sahara ist Swahili, gestartet 2016. Wer Shona lernen wollte, war bislang auf Universitätsinstitute, Kirchenmaterial oder Privatlehrer angewiesen. Google Translate nahm die Sprache immerhin schon im Dezember 2013 auf – die Maschine war schneller als der Markt.
Die Korridore, über die Chidovis Unterricht läuft, existieren längst. Mehrere Millionen Simbabwerinnen und Simbabwer leben im Ausland, vor allem in Südafrika und Großbritannien, kleinere Gemeinschaften in Kanada, Australien und Irland. Über dieselben Verbindungen fließen nach Angaben der Zentralbank jährlich mehr als zwei Milliarden US-Dollar an Überweisungen nach Hause. Jetzt fließt auch Sprache hindurch.
Praktisch bedeutet das: Simbabwe liegt ganzjährig bei UTC+2. Eine Stunde, die im Osten Kanadas gebucht wird, überbrückt sechs bis sieben Zeitzonen. Der Unterricht findet also früh am Morgen in Harare statt oder spät am Abend in Toronto.
Es passt, dass der Name des Landes selbst aus dieser Sprache stammt. Dzimba dzemabwe – Häuser aus Steinen, nach den fugenlos geschichteten Mauern von Groß-Simbabwe.