In der Stille der Ausgrabungsstätte, weit abseits des rastlosen Herzens der marokkanischen Metropole, vollendete sich eine wissenschaftliche Detektivarbeit, die Jahrzehnte zuvor ihren Anfang nahm. Mohib, Archäologe am Institut National des Sciences de l’Archéologie et du Patrimoine, koordinierte gemeinsam mit Partnern aus Frankreich und Italien die Untersuchung jener Fragmente, die nun in der Fachzeitschrift Nature ihre Einordnung fanden. Es sind Überreste von Wesen, die in einer Welt aus Nashörnern, Bären und Gazellen lebten – eine Landschaft, die damals wie heute vom Rhythmus der Gezeiten geprägt war.
Die Datierung der Funde auf 773.000 Jahre ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis präziser geologischer Arbeit. Die Forscher nutzten die letzte große Umkehr des Erdmagnetfeldes, das Matuyama-Brunhes-Ereignis, als unsichtbaren Anker in der Zeit. Diese magnetische Signatur, tief in den versteinerten Dünen der Oulad Hamida Formation gespeichert, erlaubt es, den Moment zu bestimmen, in dem diese frühen Bewohner Marokkos ihre Spuren hinterließen.
Es ist die Geschichte einer beharrlichen Allianz zwischen Marokko und Frankreich, die bereits 1978 begann. In den Höhlen zeigt sich ein Bild des ständigen Wechsels: Wenn die Menschen die Grotten verließen, zogen Hyänen und andere Raubtiere ein. Besonders ein Detail macht die einstige Atmosphäre greifbar: Die Fossilien weisen Spuren von urzeitlichen Riesenschweinen auf, die an den Knochen nagten und sie in ihren Bau schleppten. Es ist ein kühles, aber lebendiges Zeugnis für den Überlebenskampf in einer Region, die schon damals ein Schmelztiegel der Entwicklung war.
Für Mohib und seine Kollegen wie Jean-Jacques Hublin sind diese Knochenfragmente mehr als nur steinerne Zeugen. Sie sind die Bestätigung, dass die Wurzeln unserer Spezies tief in den nordafrikanischen Boden reichen, weit über die bisher bekannten Zeitgrenzen hinaus. In der Grotte à Hominidés ist die Distanz der Jahrtausende für einen Augenblick aufgehoben.