Die Zähne der Kreatur wuchsen nicht senkrecht nach oben, wie es bei den räuberischen Jägern jener Ära üblich war, sondern neigten sich in einem bizarren Winkel nach außen. Es war eine Anatomie, die Cisneros und sein internationales Team dazu veranlasste, eine ungewöhnliche Hypothese aufzustellen: Dieses Wesen nutzte sein Gebiss wie eine Harke, um Algen oder Wasserpflanzen von den Böden der Flüsse abzugrasen. Damit ist Tanyka amnicola das erste bekannte Amphibium der Erdgeschichte mit einer potenziell pflanzlichen Lebensweise – ein Außenseiter in einer Ahnenreihe, die sonst fast ausnahmslos aus Fleischfressern besteht.
Der Name des Tieres ist eine Verbeugung vor der Region und ihrer Geschichte. Er verbindet das Wort tañykã aus der Sprache der Guaraní für „Kiefer“ mit dem lateinischen amnicola für „Flussbewohner“. Dass die Überreste ausgerechnet in der Pedra de Fogo Formation gefunden wurden, einer Landschaft, in der versteinerte Baumstämme wie antike Säulen senkrecht aus dem Boden ragen, verleiht dem Fund eine besondere räumliche Tiefe. Hier, in einem Gebiet von gewaltigen Ausmaßen, blieb ein Zeugnis der Evolution erhalten, das bisher nur aus den Kohleflözen Schottlands und Nordamerikas bekannt war.
Die Entdeckung rüttelt an einer alten Gewissheit der Paläontologie. Bisher glaubte man, dass diese frühen Vierfüßer ausstarben, weil sie untrennbar an dauerhafte Sumpfgebiete gebunden waren. Doch die Sedimente, in denen Cisneros seine Funde machte, erzählen von einer Welt, die zwar warm, aber auch von langen Trockenzeiten geprägt war. Tanyka amnicola war kein Gefangener des Schlamms; es war ein widerstandsfähiger Bewohner einer wechselhaften Landschaft.
In den Archiven der Universität in Teresina lagern nun über tausend Fossilien, die Cisneros und seine Kollegen zwischen 2012 und 2023 zusammengetragen haben. Sie sind das stille Ergebnis einer beharrlichen Suche, die zeigt, dass die Natur bereits vor Jahrmillionen mit Lebensformen experimentierte, die wir heute erst allmählich zu verstehen beginnen. Heute existiert in Brasilien nur noch eine einzige kleine Froschart, die gelegentlich Früchte verzehrt – ein winziger, fast vergessener Nachhall jenes fernen, zwei Meter langen Vegetariers.