Matsuzaki rührt die Flüssigkeit mit ruhigen, gleichmäßigen Bewegungen. Was er dort pflegt, ist keine bloße Farbe, sondern ein lebendiger Organismus aus Wasser, Holzasche und den fermentierten Blättern der Indigo-Pflanze. Es ist ein langsamer Prozess, der Geduld verlangt; die braune Flüssigkeit verwandelt sich erst durch die Arbeit von Mikroorganismen in jenes tiefe Blau, das einst die Kleidung einer ganzen Nation prägte. Als Matsuzaki vor Jahren in New York zum ersten Mal den Begriff „Japan Blue“ hörte, war er ein Suchender in der Fremde. Dieser Moment weckte in ihm das Verlangen, eine Kunstform zu retten, die in Kyoto seit über hundert Jahren als erloschen galt.

Nach der Lehre bei dem Meister Yukio Yoshioka wagte Matsuzaki den Schritt in die Eigenständigkeit. Er baut seinen eigenen Indigo auf chemiefreien Feldern an und schließt den Kreislauf der Natur konsequent: Was als Rest aus den Färbebecken bleibt, kehrt als Dünger in die Erde zurück. Sogar die Abwässer sind so rein, dass sie den Boden nähren, statt ihn zu vergiften. Mit der Technik des rōkechi, einer Wachsreservefärbung, deren Ursprünge bis in das achte Jahrhundert zurückreichen, schafft er Werke, die die Flüchtigkeit des Augenblicks in Stoff binden.

Die Auszeichnung durch JapanCraft21 ist für den jungen Künstler mehr als eine finanzielle Anerkennung. Die Fördersumme ermöglicht es ihm, das Projekt Kyō-ai so zu festigen, dass es über sein eigenes Leben hinaus Bestand haben kann. Matsuzaki sieht sich nicht als Erfinder, sondern als ein Bindeglied in einer langen Kette von Menschen, die gelernt haben, mit der Natur zu arbeiten, statt gegen sie. Sein Ziel ist es, das Wissen um die Fermentation und die Stille der Reifezeit an die nächste Generation weiterzugeben, damit das wahre Blau von Kyoto nie wieder aus dem Gedächtnis der Stadt verschwindet.