Acht Männer und Frauen aus den Gemeinschaften der Reserve bilden das Herzstück dieses Vorhabens. Drei von ihnen kehrten nach dem ersten Jahr zurück, fünf weitere stießen in diesem April neu dazu. Es sind Menschen wie die Bewohner von Xita oder São Sebastião, die nicht länger nur Zuschauer der schleichenden Waldzerstörung sein wollten. In vier dorfnahen Baumschulen haben sie über Monate hinweg Setzlinge von Itaúba, Jatobá und brasilianischem Mahagoni herangezogen, bis diese kräftig genug waren, um dem Hunger der Insekten und der Hitze der Sonne zu trotzen.
Die Logistik dieses Vorhabens gleicht einer Expedition. Bevor die eigenen Baumschulen ihre volle Kapazität erreichten, reisten tausende Setzlinge auf Lastwagen und danach sieben Stunden lang in Booten flussaufwärts, tief hinein in das verzweigte System des Baixo Rio Negro. Dort, wo das Wasser durch gelöste Huminstoffe die Farbe von dunklem Tee annimmt, warteten die Pflanzer bereits. Sie wissen, dass der Erfolg ihrer Arbeit an den Rhythmus der Natur gebunden ist: Nur in den feuchten Monaten zwischen Dezember und Mai finden die Wurzeln in den nährstoffarmen Böden der Region genügend Halt.
Hinter der ökologischen Notwendigkeit steht ein zutiefst menschliches Motiv. In einer Region, in der jeder zweite Bewohner von weniger als einem Mindestlohn überleben muss, bedeutet die Pflanzung von Kakao, Kaffee und Cupuaçu mehr als nur CO2-Bindung. Es ist der Aufbau einer autonomen Existenz. Die Reserve selbst, deren Name in der Sprache Nheengatu „Schöne Eroberung“ bedeutet, wurde erst vor zwölf Jahren durch den beharrlichen Einsatz der lokalen Bevölkerung rechtlich gesichert. Damals erkämpften sie sich das Recht, auf ihrem angestammten Land zu bleiben; heute heilen sie die Wunden, die die Vergangenheit dort geschlagen hat.
Wenn die acht Mitglieder des Feldteams heute in den Wald aufbrechen, tragen sie die Verantwortung für ein Projekt, das weit über ihre eigenen Dorfgrenzen hinausreicht. Es ist die Verwandlung von bloßem Land in eine Heimat, die ihre Kinder ernähren kann. Jeder Handgriff, jedes Setzen eines Cumaru-Samens in das Substrat ist ein Akt der Beständigkeit gegenüber einer Welt, die oft nur den schnellen Ertrag im Blick hat.