Fünfzehn Jahre ist es her, dass Ammar Abdelnabi sein Handwerk als Gipser aufgab, um sich einer Materie zuzuwenden, die älter ist als die Stadt selbst. Er baut Furran Baladi, die traditionellen Tonöfen Ägyptens. Dass er heute im Haus von Saber Abdelwahab arbeitet, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Enttäuschung: Der moderne Metallofen, den Saber zuvor gekauft hatte, erfüllte die Erwartungen nicht. Das Brot blieb fremd, die Hitze unbeständig. Nun kehrt Saber zur Erde zurück.
Ammar mischt den Schlamm des Nils mit Sand und fein gehäckseltem Weizenstroh, dem sogenannten Tibn. Es ist dieses Stroh, das die Masse bindet und verhindert, dass der Ton unter der gewaltigen Hitze des Feuers reißt. Unter dem Boden des Ofens verbirgt Ammar ein altes Geheimnis der Konstruktion: Eine Schicht aus zerstoßenem Glas oder Salz dient als thermische Masse, um die Wärme über Stunden zu speichern.
Es ist eine stille Rückkehr zur Autarkie. Während die staatlichen Subventionen für Butangas schwinden und die Preise auf dem Markt steigen, bietet der Tonofen eine Unabhängigkeit, die fast verloren war. Befeuert wird er nicht mit teurem Brennstoff, sondern mit dem, was die Felder hergeben: getrocknete Maisstängel, Baumwollzweige oder Palmwedel. In der Glut dieser Reste erreicht der Ofen Temperaturen, die für das Aish Shamsi unerlässlich sind – jenes traditionelle Sauerteigbrot, das in der heißen Sonne Oberägyptens aufgehen muss, bevor es in die Dunkelheit des Ofens geschoben wird.
Ammar beobachtet, wie die Nachfrage in den Dörfern rund um Luxor stetig wächst. Längst sind es nicht mehr nur die privaten Haushalte, die seine Dienste suchen; auch Öko-Lodges und Hotels entdecken den Wert dieser Beständigkeit. Ein gut gebauter Ofen überdauert ein Jahrzehnt. Er ist ein stiller Zeuge dafür, dass Fortschritt manchmal darin besteht, zu wissen, welche Dinge man nicht ersetzen kann.