Es war ein stiller Akt der Selbstbehauptung, als die lokale Gemeinschaftsversammlung beschloss, einen Teil ihres angestammten Territoriums abzutreten. Regino Montes, der Direktor des Instituts für indigene Völker, betonte, dass diese Hochschule kein Projekt sei, das einseitig von oben verordnet wurde; es ist ein Bauwerk, das auf dem Willen derer ruht, die die Sprache der Nahua noch täglich sprechen. Die Universidad de las Lenguas Indígenas de México (ULIM) ist damit die erste ihrer Art, die sich der systematischen Ausbildung in jenen Sprachen widmet, die über Jahrhunderte an den Rand gedrängt wurden.

Die ersten Studenten, die aus 14 verschiedenen Bundesstaaten anreisten, finden hier einen Ort, an dem ihre Herkunft kein Hindernis, sondern das Fundament ihrer Professionalität ist. In Studiengängen für Übersetzung, Literatur und indigene Kommunikation lernen sie, die Vielfalt ihrer Heimat in die Gegenwart zu tragen. Die Ausbildung ist eng mit dem Leben außerhalb der Hörsäle verknüpft: Wer hier studiert, beweist sein Können in Projekten, die direkt in den Gemeinden ansetzen.

Für Bertha Dimas, die das Vorhaben als Koordinatorin begleitet, geht es um mehr als nur um Grammatik oder Vokabeln. Sie sieht in der Universität ein Werkzeug, um das Verstummen ganzer Welten zu verhindern. In einem Land, in dem ökonomischer Druck und Migration die Weitergabe der Sprache von den Älteren an die Jungen oft unterbrechen, schafft die Institution eine neue Form der Beständigkeit.

Seit der Eröffnung im Jahr 2023 ist das Gelände in Milpa Alta zu einem Zentrum geworden, in dem die Vielfalt Mexikos eine feste Adresse gefunden hat. Wo früher nur der Wind durch die kargen Hochlagen strich, wird nun in Sprachen debattiert, die älter sind als die moderne Nation selbst. Es ist ein Ort, an dem das gesprochene Wort wieder das Gewicht erhält, das ihm zusteht.