Am Morgen eines Sonntags um halb elf begann die Arbeit im Operationssaal. **Professor Wael Ayyad**, der Leiter der plastischen Chirurgie, teilte seine Mannschaft in zwei Gruppen auf, um keine Minute zu verlieren. Während die eine Seite die Trümmer der Wunde am Bein säuberte und den freiliegenden Knochen vorbereitete, entnahm die andere Gruppe ein Transplantat aus Haut und Muskelgewebe vom Rücken des Kindes, um den Verlust an der Gliedmaße auszugleichen.
Es war ein Zusammenspiel der Disziplinen, bei dem Orthopäden, Gefäßchirurgen und Anästhesisten ihre Handgriffe aufeinander abstimmten. Die Distanz von fünfzehn Kilometern, die das Kind aus seinem Heimatdorf **Bassos** bis an das Nilufer in Kairo zurückgelegt hatte, schien in diesen Stunden des Wartens wie eine Ewigkeit.
Unter dem Mikroskop vollzog sich die eigentliche Tat der Geduld. Die Blutgefäße eines fünfjährigen Kindes messen kaum mehr als einen Millimeter; sie wieder miteinander zu verbinden, verlangt eine Hand, die jenseits des menschlichen Zitterns agiert. Mit Instrumenten aus Titan führten die Chirurgen einen hauchdünnen Nylonfaden, der zarter ist als eine menschliche Wimper, durch das lebendige Gewebe.
Nach zwölf Stunden des Ausharrens, als die letzten Klemmen gelöst wurden, füllten sich die neuen Bahnen. Das Team beobachtete, wie sich das blasse Fleisch des Fußes langsam wieder warm und rot färbte – das lautlose Signal, dass der Kreislauf geschlossen und die Verbindung zur Welt des Gehens wiederhergestellt war. Der Direktor des Instituts, **Dr. Mahmoud Said**, begleitete den Jungen später auf die Intensivstation, wo nun die langsame Arbeit der Heilung beginnt.