Niemand hatte nach ihnen gesucht. Menschen aus der Gemeinschaft gruben von Hand einen neuen Weg nach El Duraznillo, in einen der abgelegensten Winkel von Anfama, als sie Knochenstücke im Boden entdeckten. Anfama ist ein Weiler am Osthang der Cumbres Calchaquíes, rund 1.750 Meter hoch im Bergnebelwald der Yungas. Noch vor zehn Jahren kam kein Fahrzeug dorthin. Vom nächsten Ort aus lief man sieben bis acht Stunden.

Im Juni 2025 legten die Archäologinnen Romina Canova und Stefania Chiavassa Arias vom Forschungsteam der südlichen Cumbres Calchaquíes (CONICET-UNC) die Fundstelle frei. Mit ihnen gruben Osvaldo Díaz von der Denkmalbehörde der Provinz sowie die Nachwuchsforscher Francisco Franco und Gonzalo Moyano. Zuerst glaubten sie, auf zwei Menschen gestoßen zu sein. Erst im Labor zeigte sich, dass es vier waren. Die Toten lebten zwischen 400 und 900 nach Christus. Sie lagen an einem Ort, an dem sich Menschen einst versammelt und Gaben niedergelegt hatten. Im Boden fanden sich verzierte Tonscherben, eine Pfeilspitze aus Quarzit und Knochen von Lamas oder Guanakos und von Vögeln.

Seit etwa 2014 arbeitet das Team im Becken von Anfama. Es hat dort Bauerndörfer aus dem ersten Jahrtausend dokumentiert: runde Steinhäuser mit einem Innenhof und Speichern, in denen jeweils 16 bis 25 Menschen lebten, manche davon sechs- bis siebenhundert Jahre lang. Auf Terrassen bauten sie Mais, Bohnen und Kürbis an. Die Lebensweise ihrer Nachfahren zerbrach erst im 17. Jahrhundert, nachdem die Menschen von Tafí und Anfama im Zweiten Calchaquí-Krieg gekämpft hatten.

Seit 2001 gibt das argentinische Gesetz 25.517 indigenen Gemeinschaften das Recht, die Gebeine ihrer Vorfahren aus Museumssammlungen zurückzufordern. In Anfama vergingen zwischen Fund und Rückkehr kaum fünfzehn Monate.

Santos Pastrana leitete die Zeremonie. Neben Álvarez standen sein Vorgänger Antonio Carranzano, Alejo Azar, der Cacique von Tafí del Valle, Alberto Antonio Romano, der Cacique von Mala Mala, und Gerardo Alvi als Vertreter der Gemeinde Raco. Julián Salazar hielt die Übergabe mit der Kamera fest. Die Archäologinnen legten die vier Bündel in ihr neues Grab und gaben ihnen die Keramik mit, die bei ihnen gelegen hatte.

Daneben legte die Gemeinschaft neue Gaben. Zwischen den alten und den neuen liegen mehr als tausend Jahre.