Bisher glich die Bildungslandschaft für Kinder mit Behinderungen zwischen Mexiko und Feuerland einem Mosaik mit zu vielen fehlenden Steinen. Man wusste, dass sie da waren, doch die Ministerien rechneten oft nach unvereinbaren Methoden oder beschränkten sich auf medizinische Diagnosen, statt den tatsächlichen Unterstützungsbedarf im Unterricht zu messen. Mit der Vorstellung des SIRIED-Berichts 2024 endet diese Ära der Unverbindlichkeit.

Der Bericht, entstanden in Zusammenarbeit mit spanischen Bildungsexperten und dem RIINEE-Netzwerk, dokumentiert eine schmerzhafte Diskrepanz: Während nahezu jedes Kind in der Region die Grundschule abschließt, erreicht nur jeder vierte Schüler mit einer Behinderung diesen ersten Meilenstein nicht. In den weiterführenden Schulen verschärft sich die Lage weiter, wo die Abschlussquote auf 61 Prozent sinkt. Es ist ein leises Ausscheiden aus der Gesellschaft, das oft schon im Kindesalter beginnt.

Doch inmitten der harten Daten findet sich eine Bewegung von behutsamer Kraft. Die Statistik verzeichnet eine Wanderung: 4,5 Prozent der betroffenen Kinder wechselten von isolierten Sonderschulen in den regulären Unterricht, während nur ein Bruchteil den umgekehrten Weg einschlug. Es ist eine langsame Migration hin zur Normalität, ein Zeichen dafür, dass die Mauern der Klassenzimmer durchlässiger werden.

Inklusion ist kein Akt der Großzügigkeit, sondern eine unaufschiebbare Verpflichtung der Staaten.

Kuisch Laroche betonte, dass es nicht allein um Rollstuhlrampen aus Beton geht, sondern um die pädagogischen und kulturellen Barrieren in den Köpfen. Dass in Madrid bereits im Jahr 1851 das Braille-System für das spanische Alphabet adaptiert wurde, erinnert daran, dass die Werkzeuge der Teilhabe längst existieren. In Santiago wurde an diesem Tag die moralische und statistische Basis geschaffen, um die Regierungen der Region künftig beim Wort zu nehmen.