Als am Morgen des 19. März die offizielle Bestätigung der chilenischen Rechnungshöfe eintraf, endete für Andrés Valenzuela Sánchez eine nervenaufreibende Zeit des Wartens. Nur zwei Tage zuvor war das Dekret Nummer 38, das den Fortbestand dieser fragilen Wesen sichern sollte, von der neuen Regierung kurzzeitig zurückgezogen worden. Es war der öffentliche Protest und die Arbeit der von Valenzuela im Jahr 2015 gegründeten ONG Ranita de Darwin, die das Vorhaben in letzter Sekunde rettete.

Valenzuela wählte den Namen seiner Organisation mit Bedacht und einer fast zärtlichen Analogie: So wie das Männchen des Darwin-Frosches seine Kaulquappen im eigenen Kehlsack austrägt und sie dort vor der Welt verbirgt, bis sie bereit sind, sollte seine NGO ein schützender Raum für die Amphibien Chiles sein. Der Rhinoderma darwinii ist ein Meister der Tarnung; mit seinem spitzen Nasenfortsatz gleicht er einem verwelkten Blatt, das reglos am Waldboden verharrt.

Die Herausforderung, vor der Valenzuela und seine Mitstreiter stehen, ist gewaltig. Während der südliche Darwin-Frosch in etwa 56 isolierten Gruppen überlebt, gilt sein nördlicher Verwandter, Rhinoderma rufum, seit 1981 als verschollen. Es wäre das erste dokumentierte Aussterben eines einheimischen Tieres in der modernen Geschichte Chiles, sollte die Suche im Rahmen des neuen 15-Jahres-Plans ergebnislos bleiben. Die Zerstörung der Urwälder zugunsten von Eukalyptus-Plantagen und ein tückischer Hautpilz haben die Tiere in die Enge getrieben.

Es ist eine Arbeit der Stille und der Genauigkeit. Jedes Individuum trägt an seinem Bauch ein Muster aus schwarzen und weißen Flecken, so einzigartig wie ein menschlicher Fingerabdruck. Für Valenzuela und die beteiligten Forscher aus Chile, Argentinien und Europa ist der nun verabschiedete Plan mehr als ein Verwaltungsakt. Es ist das Versprechen, dass das vogelartige Pfeifen in den Wäldern zwischen Concepción und Aysén nicht verstummen wird.

Der Frosch braucht keine Wasserflächen zum Schwimmen; er ist ein Wesen der Erde, das ohne Schwimmhäute durch das Moos wandert.

Mit der Unterzeichnung des Dekrets beginnt nun die praktische Arbeit in elf Aktionslinien. Von der Überwachung von Krankheiten bis hin zur Errichtung neuer Schutzgebiete wird versucht, den Lebensraum zu heilen, den Charles Darwin im Dezember 1834 auf der Insel Lemuy zum ersten Mal beschrieb. Es ist ein später, aber entschlossener Versuch, einer Kreatur ihren Platz in der Welt zurückzugeben, die sich durch nichts als ihre bloße Existenz und ihren eigentümlichen Gesang behauptet.