Die beiden Patientinnen litten an einer schweren Insuffizienz der Trikuspidalklappe. In der medizinischen Literatur wurde dieses Ventil oft als die „vergessene Klappe“ bezeichnet, da Eingriffe an ihr als besonders schwierig galten. Für die Frauen bedeutete die Diagnose eine Erschöpfung, die selbst das Sitzen zur Qual machte. Eine herkömmliche Operation am offenen Brustkorb wäre in ihrem Alter ein Wagnis gewesen, das kaum ein Chirurg verantworten wollte.
In Zusammenarbeit mit dem Experten Marco Di Marco und ihrem Kollegen Dr. Aoumer setzte das algerische Team auf ein Verfahren, das ohne große Schnitte auskommt. Über die Leistenvene navigierten sie das TriClip-System direkt in das Herzinnere. Es ist eine Arbeit von höchster Präzision: Der Katheter muss im rechten Vorhof eine exakte Kehrtwende vollziehen, um die winzige Klammer senkrecht zum Gewebe zu platzieren.
Das Implantat selbst besteht aus einer Kobalt-Chrom-Legierung, die mit einem feinen Polyestergewebe überzogen ist. Sobald die Klammer die Segel der undichten Klappe greift und zusammenführt, verringert sich der Rückfluss des Blutes sofort. Das Gewebe ist so beschaffen, dass es mit der Zeit mit dem menschlichen Herzgewebe verwächst und so zu einem dauerhaften Teil des Körpers wird.
Für Nadia Laaradj markiert dieser Tag den Beginn einer Entwicklung, die weit über Oran hinausreicht. Algerien nimmt damit eine Vorreiterrolle auf dem Kontinent ein und plant bereits, das Klinikum zu einem Ausbildungszentrum für diese Technik auszubauen. Hinter der medizinischen Premiere aber steht die schlichte Gewissheit für zwei Patientinnen, dass der nächste Schritt, den sie gehen, nicht mehr ihr letzter sein muss.