Die Vorbereitungen für diesen Moment dauerten Jahre. Nima, eine im Zoo von Madrid geborene Otterfähe, galt bei der Tierärztin Eva Martínez als besonders scheu – eine Eigenschaft, die sie für ein Leben fernab des Menschen prädestinierte. Gemeinsam mit Coco, einem Männchen aus Dänemark, verbrachte sie zwei Jahre in einem Eingewöhnungsgehege im Herzen der Sümpfe. Dort lernten die Tiere, die zuvor nur tote Nahrung kannten, flinke Fische in der Strömung zu erjagen und als Paar ein Revier zu verteidigen. Im November 2024 kamen dort die Jungen Pirú und Kyra zur Welt, die ersten ihrer Art, die den Boden des Iberá-Parks von Geburt an als ihre Heimat begriffen.

Riesenotter sind die unangefochtenen Herrscher der südamerikanischen Süßwasserläufe. Mit einer Körperlänge von bis zu 1,8 Metern regulieren sie als Spitzenprädatoren die Fischbestände und halten das empfindliche Gefüge der Wasserwelt im Gleichgewicht. Doch zwischen den 1940er und 1970er Jahren wurden sie unerbittlich wegen ihres dichten Pelzes gejagt, bis die Spezies in Argentinien vollständig ausgelöscht war. Erst die Vision von Doug und Kristine Tompkins, die weite Teile der Region aufkauften und dem Staat schenkten, schuf die Grundlage für die heutige Wiederbesiedlung.

Heute nutzen die Forscher von Rewilding Argentina moderne Technik, um die Familie in der Unendlichkeit des drittgrößten Feuchtgebietes der Erde nicht zu verlieren. Über speziell angefertigte Gurte und die Analyse von Umwelt-DNA im Wasser verfolgen sie, wie Nima und Coco ihre Tunnel in die schlammigen Ufer graben. Die Tiere kommunizieren mit einem Repertoire von 22 verschiedenen Rufen – vom sanften Summen beim Kontakt bis zum scharfen Schnauben, wenn ein Kaiman ihrem Bau zu nahe kommt.

Berichte vom März 2026 bestätigen nun, dass die Gruppe nicht nur überlebt, sondern ihr Territorium gefestigt hat. In den verborgenen Kanälen des Parks zeigt sich ein Erfolg, der weit über die Biologie hinausgeht: Es ist die physische Reparatur einer Landschaft, die ihre Stimme zurückerhalten hat. Di Martino und sein Team planen bereits die nächsten Schritte; weitere Auswilderungen in den Regionen Esteros del Iberá und im Chaco sollen folgen, um die Rückkehr des Flusswolfs dauerhaft zu sichern.