Die Geburt war keine Entscheidung, sondern eine Notwendigkeit. Bei der Mutter, Elda Elías Lara, hatte sich eine Präeklampsie entwickelt — Bluthochdruck mit Organbeteiligung, gegen den es nur eine wirksame Behandlung gibt: die Entbindung. In Mexiko zählen hypertensive Schwangerschaftserkrankungen laut Gesundheitsministerium zu den häufigsten Ursachen mütterlicher Todesfälle. Die Wehen wurden eingeleitet, Wochen bevor irgendjemand bereit war.

Ein Kind aus der 26. Woche gilt in der klinischen Literatur als an der Grenze der Lebensfähigkeit. Es fehlt das Surfactant, jene Substanz, die verhindert, dass die Luftbläschen in der Lunge nach jedem Ausatmen zusammenfallen. Und es bleibt oft ein Gefäß offen, das sich eigentlich schließen müsste: der Ductus arteriosus, im Mutterleib die Umgehung der noch flüssigkeitsgefüllten Lunge. Bei reifen Neugeborenen verschließt er sich binnen ein bis drei Tagen. Bei diesem Mädchen tat er es nicht — und schickte Blut zurück durch die Lunge, gegen jeden Atemzug.

Komplexe Herzeingriffe an Neugeborenen werden in Zacatecas nicht durchgeführt. Also musste das Kind verlegt werden, an das Hospital Regional „Valentín Gómez Farías" in Zapopan, Jalisco, das Referenzzentrum des ISSSTE für den Westen des Landes. Dort wurde das Gefäß durch einen kleinen Schnitt zwischen den Rippen abgebunden, bei schlagendem Herzen.

Was die Mutter im Rückblick beschreibt, ist nicht die Technik. Es ist die contención — das Auffangen. Das Personal, sagt Elías Lara, sei ihr Verbündeter gewesen, über Monate hinweg, in denen niemand ihr versprechen konnte, wie es ausgeht.

Sie waren Verbündete.

Das Team um Sánchez Bañuelos wird das Mädchen fünf Jahre lang weiter begleiten. Sehen, Hören, Motorik, Sprache: Frühgeborenenretinopathie und Hörschäden hängen eng mit einer sehr frühen Geburt zusammen, und was in diesen Monaten gewonnen wurde, lässt sich in den kommenden Jahren noch verlieren. Die Arbeit endet nicht mit der Entlassung. Sie geht nur nach Hause mit.