Die Reise hatte an der Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten in Ciudad Juárez begonnen. Servín, ein Forscher der UAM Xochimilco mit jahrzehntelanger Erfahrung, wich den Tieren nicht von der Seite. Er begleitete das Alpha-Paar und seine zwei Töchter im Flugzeug nach Santiago Papasquiaro und anschließend über die staubigen Pisten hinauf in das zerklüftete Herz von Durango. Es war eine Heimkehr für eine Art, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts durch Fallen und Gift beinahe vollständig aus dem Gedächtnis der Erde getilgt worden wäre.
Die vier Wölfe, die nun vorsichtig die ersten Schritte auf den weichen Waldboden von El Tarahumar setzten, tragen eine schwere Verantwortung. Sie sind die Botschafter eines biologischen Erbes, das auf nur sieben Individuen zurückgeht – jene letzten Überlebenden, die vor Jahrzehnten gefangen wurden, um den Fortbestand des Canis lupus baileyi zu sichern. Der Mexikanische Wolf ist die kleinste und genetisch eigenständigste Unterart des Grauwolfs in Nordamerika, erkennbar an seinem schmalen Schädel und dem dichten, graubraunen Fell.
Das Besondere an diesem Tag in der Gemeinde Santa Catarina de Tepehuanes war jedoch nicht allein die Biologie, sondern die Geste der Menschen vor Ort. Die Versammlung von El Tarahumar y Bajíos del Tarahumar hatte der Wiederansiedlung in einer feierlichen Abstimmung einstimmig zugestimmt. Wo einst Viehzüchter die Wölfe als Feinde betrachteten, herrscht nun das Verständnis für ein ökologisches Gleichgewicht, in dem Hirsche und Nabelschweine ihre natürlichen Gegenspieler brauchen.
In der nun folgenden Phase der Auswilderung werden die Bewegungen des Rudels mittels Radiotelemetrie und Kameras beobachtet. Für Jorge Servín ist die Arbeit mit der Ankunft im Wald nicht beendet, doch der Moment, in dem die Wölfe zwischen den Stämmen der Eichen und Kiefern verschwanden, markierte eine Zäsur. Es war die Rückkehr eines rechtmäßigen Bewohners in eine Welt, die ohne ihn unvollständig geblieben war.