Das Zwergseidenäffchen ist der kleinste Affe der Welt, Kopf und Rumpf zusammen kaum länger als eine Handspanne. Es lebt hoch im Kronendach und ruft in Frequenzen, die das menschliche Ohr an der Grenze des Hörbaren streifen und in der feuchten Waldluft schnell verklingen. Wer es zählen will, muss es hören, denn sehen wird man es kaum.
Die Gemeindemitglieder waren Anfang des Jahres auf Durán zugegangen, den Gründer der Naturschutz-Technologiegruppe Neblina Labs. Passive Akustik schien die passende Antwort: Geräte, die tagelang allein im Wald lauschen, ohne dass jemand stillsitzen muss. "Das beste Verhältnis von Aufwand und Ertrag, gemessen daran, wie viele Arten man für möglichst wenig Geld hören kann", sagt Durán über die Methode.
Die erste Auswertung enthielt keinen einzigen bestätigten Ruf. Stattdessen ein dichtes Gewebe anderer Waldstimmen — Material, aus dem das Team nun Erkennungsmodelle für kommende Durchgänge baut. Ein Fehlschlag ist das nicht; es ist der erste Datensatz, den es für diesen Flecken Wald überhaupt gibt.
Das Tier gilt als Anzeiger für den Zustand des Waldes. Es ist an schmale Streifen entlang der Flussläufe gebunden, an saisonal überflutete Ufergehölze, und verschwindet, sobald Holzeinschlag und Rodung diese Bänder aufreißen. Wo es schweigt, ist meist schon etwas anderes passiert. In früheren Untersuchungen im Nordosten Ecuadors sank die Rufrate überlebender Gruppen messbar, nachdem Menschen Tiere aus ihnen herausgefangen hatten — die Affen wurden leiser.
Der Druck auf diesen Wald hat eine lange Vorgeschichte. Die Familien am Aguarico stammen von jenen Siekopai ab, die der Grenzkrieg von 1941 aus ihrem nördlichen Kerngebiet Pë'këya vertrieb; ab 1964 öffneten die Zufahrtsstraßen der Ölförderung die Provinz Sucumbíos für Siedler und Sägewerke. Ein Provinzgericht sprach der Nation 2023 den Titel über 42.360 Hektar ihres alten Gebiets zu — im Sommer 2025 war er noch immer nicht ausgehändigt.
Neben den Mikrofonen laufen Kamerafallen, und Patrouillen gehen gegen illegale Jagd und Holzeinschlag im selben Wald vor. Durán schult Gemeindemitglieder direkt an der Technik, damit die Aufnahmen weitergehen, wenn er längst wieder fort ist.