Hernandez unterrichtet seit 37 Jahren. Sie gehört zum Volk der Inga, den nördlichsten Quechua-Sprechern Südamerikas, deren Vorfahren mit der Ausdehnung des Inkareichs in die nördlichen Anden kamen. Ihre Klasse ist Teil der Institución Educativa Rural Bilingüe Atun Ninambi — der Name bedeutet „großer Weg" — eines zweisprachigen Schulnetzes in Inga Kichwa und Spanisch, das an zehn Orten 1.267 Schülerinnen und Schüler erreicht.

Das Reservat Blasiaku, dessen Name auf Inga Kichwa „Affenfluss" heißt, umfasst 67 Hektar in der Gemeinde Villagarzón, dort wo die Anden auf etwa 600 Metern Höhe in das Amazonasbecken abfallen. 34 Familien leben hier. Vor zehn Jahren schenkte die Gemeinschaft der Schule einen Hektar Land. Daraus wurde Kindi Tarpuy, ein von Schülern geführtes Unternehmen, das Seifen, Shampoos, ätherische Öle und Kunsthandwerk herstellt.

Die Möglichkeit, selbst zu wählen, wie wir unterrichten wollen.

So beschreibt ein Mitglied der Gemeinschaft, was sich verändert hat. Kolumbianisches Recht erlaubt indigenen Gemeinschaften seit dem Dekret 1953 aus dem Jahr 2014, ihre Bildungshaushalte selbst zu verwalten, statt sie über die Kommunen laufen zu lassen. In Blasiaku bedeutet das: Dreißig Vermittlerinnen und Vermittler tragen zugleich spirituelle, kulturelle und pädagogische Aufgaben. Vicente Jacanamejoy ist Heilkundiger, ein iacha. Juan Carlos Jacanamejoy, ein taita, leitet das indigene Bildungssystem. Yolanda Jacanamejoy ist Gouverneurin des Reservats, Amanda Jacanamejoy Bürgermeisterin der Gemeinschaft und Mutter.

Putumayo ist kein einfacher Ort für so ein Vorhaben. Seit den achtziger Jahren bestimmen Erdöl, Rinderhaltung und Koka die Wirtschaft; das Departamento zählt regelmäßig zu den beiden Regionen mit der größten Anbaufläche, zuletzt rund 48.000 Hektar. Ab 2000 wurden hier im Rahmen von Plan Colombia Felder aus der Luft mit Glyphosat besprüht. Es ist eine Landschaft, über die andere lange Zeit entschieden haben.

Umso mehr wiegt, was Hernandez und die Ihren aufgebaut haben. Der Lehrplan verbindet überliefertes ökologisches Wissen mit Rechnen und unternehmerischer Praxis. Ein Kind lernt, wie viel Öl ein Korb Blätter ergibt — und wie man das Ergebnis in seiner eigenen Sprache benennt. Ein Sprache, die dem Quechua Perus und Ecuadors nahe genug steht, dass die Kinder von Blasiaku Menschen 1.500 Kilometer weiter südlich in Teilen verstehen könnten.

Tomás, neun Jahre alt, sieht dem Dampf beim Kondensieren zu.