Javier Grosfeld, ein besonnener Mann vom Forschungsinstitut CONICET Patagonia Norte, beobachtet das Treiben mit der Geduld eines Mannes, der in Jahrhunderten denkt. Er weiß, dass die Natur hier Hilfe benötigt, da die majestätische Araucaria araucana gegen die Zeit und gegen Eindringlinge kämpft. Schneller wachsende Kiefern und invasive Rosensträucher haben sich in den Lücken breitgemacht, welche die verheerenden Waldbrände der vergangenen Jahre hinterlassen haben. Ohne das menschliche Eingreifen, so erklärt Grosfeld, hätten die jungen Ureinwohner des Waldes keine Chance, das schützende Blätterdach zu erreichen.
Bevor der erste Setzling in den Boden gleitet, müssen die Freiwilligen des Proyecto Pewen Platz schaffen. Sie entfernen die fremden Kiefernsprossen, die den heimischen Bäumen das Licht rauben. Es ist eine mühsame, fast archaische Arbeit. Die Araukarie ist ein langsamer Riese; ein kleiner Schössling wächst im Jahr kaum mehr als die Breite einer Handfläche. Es dauert ein Vierteljahrhundert, bis ein weiblicher Baum die ersten schweren Zapfen trägt, die seit jeher die Lebensgrundlage der Pehuenche-Gemeinschaften bilden.
Die Bedeutung dieser Arbeit reicht weit über die bloße Botanik hinaus. Für die Menschen der Region ist die Pehuén nicht nur ein Baum, sondern ein heiliger Anker ihrer Identität. Die Samen, die piñones, werden zu Mehl gemahlen oder zu Muday vergoren, wie es die Ahnen schon vor tausend Jahren taten. Javier Grosfeld und sein Team wählen die Pflanzstellen mit wissenschaftlicher Präzision aus, analysieren die Bodenbeschaffenheit und legen Protokolle für die kommenden Jahre fest. Jeder Baum erhält eine Chance, doch die eigentliche Arbeit leistet die Zeit.
Wenn die Freiwilligen am Abend den Wald verlassen, hinterlassen sie eine veränderte Landschaft. In den Furchen der vulkanischen Erde stecken nun jene grünen Spitzen, die vielleicht noch in fünfhundert Jahren den Wind der Anden spüren werden. Es ist ein Akt der stillen Verantwortung – ein Mensch setzt einen Baum, von dessen vollem Schatten er selbst nie profitieren wird.