Die heiligen Haine, in Maharashtra Devrai genannt, sind Waldstücke, die einer Dorfgottheit geweiht sind. Wer dort einen Baum fällt oder Holz holt, bricht ein altes Verbot. Auf diese Weise sind in Vanzole Inseln alten Waldes erhalten geblieben, im Durchschnitt gut 6.500 Quadratmeter groß. Pai, Erstautor der Studie der Applied Environmental Research Foundation (AERF) aus Pune, hat sie mit dem Dorfwald in ihrer Nachbarschaft verglichen.
In den Hainen fand das Team fast doppelt so viele Arten von Riesenbäumen wie auf dem Dorfland. Wichtiger noch war, was unter ihnen heranwuchs. Unter den Bäumen der Haine standen 91 Prozent der jungen Fischschwanzpalmen, jener Palme, deren Saft die Menschen hier zu Toddy und Palmzucker verarbeiten. Unter den Bäumen des Dorfes waren es 47 Prozent. Noch deutlicher war der Unterschied bei Strychnos nux-vomica, dem Brechnussbaum, dessen Samen für Arzneien gehandelt werden: Bei 77 Prozent der Bäume im Hain wuchsen Setzlinge in der Nähe, im Dorf nur bei fünf Prozent.
Kevin Matteson vom Project Dragonfly der Miami University in Ohio, Mitautor der Studie, nennt die alten Bäume ökologische Fanghandschuhe. Ihre Früchte locken Nashornvögel an, die großen Samen schlucken, sie stundenlang im Darm tragen und sie Kilometer entfernt wieder fallen lassen. So trägt ein einzelner Baum im Hain seine Nachkommen über die ganze Landschaft.
Die Studie endet mit einer Warnung. In manchen Dörfern ersetzen Tempel aus Beton die alten Waldschreine. Beim Bau werden Wurzeln verletzt und das Unterholz geräumt, und damit verschwindet die Kinderstube, in der die jungen Bäume aufwachsen. Wo die Gottheit ein festes Haus bekommt, verliert der Wald um sie herum seinen Nachwuchs.
Archana Godbole und Jayant Sarnaik, die AERF leiten, arbeiten seit Jahren mit Dörfern in den nördlichen Westghats zusammen und bezahlen Landbesitzer dafür, ihren Wald stehen zu lassen. Die Messungen aus Vanzole geben ihnen nun Zahlen für etwas, das Männer wie Namdev und Anant Shivgan längst wussten: Der Wald, den man in Ruhe lässt, wächst weiter.