Als die Tiere vorsichtig in das hohe Gras des Sumpf- und Savannengebiets am Westufer des Nils traten, beobachtete James Musinguzi, Direktor der Uganda Wildlife Authority, den Vollzug eines Planes, der Jahrzehnte der Vorbereitung beansprucht hatte. Die Nashörner, die ursprünglich aus dem Ziwa Rhino Sanctuary stammen, markieren den Beginn einer groß angelegten Wiederansiedlung. In Ziwa war es gelungen, eine kleine Gruppe von sechs Tieren, die einst aus Kenia und Florida eingeführt worden waren, auf eine Herde von 59 Tieren anwachsen zu lassen.
Das Gebiet, in dem sie nun freigelassen wurden, trägt den Namen eines Mannes, der bereits in den 1930er Jahren den Wert dieser Geschöpfe erkannte. Häuptling Ajai vom Stamm der Madi hatte damals eigenmächtig Jagdverbote erlassen, um die Nashörner auf seinem Land zu schützen. Erst die politischen Instabilitäten und die grassierende Wilderei der 1970er Jahre machten seine Bemühungen zunichte, bis im Jahr 1983 das letzte wilde Nashorn Ugandas im Narus-Tal gesichtet wurde.
Um die Sicherheit der Rückkehrer zu gewährleisten, wurden sieben Ranger in spezialisierten Naturschutzzentren in Kenia ausgebildet. Ein Niederspannungszaun schützt nun die Grenzen des 148 Quadratkilometer großen Areals, während ökologische Teams die Gesundheit und das Fressverhalten der Tiere in ihrer neuen, alten Heimat überwachen. Es ist ein Versuch, das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen: Als reine Grasfresser halten die Nashörner die Savanne offen und schaffen Lebensraum für kleinere Arten.
Kurz nach der Freilassung in Ajai folgte bereits der nächste Schritt der nationalen Strategie. Weitere vier Tiere wurden in den Kidepo-Valley-Nationalpark gebracht. Es ist ein mühsamer, präziser Prozess der Wiedergutmachung gegenüber einer Landschaft, die fast ein halbes Jahrhundert lang auf ihre markantesten Bewohner verzichten musste.