Lindberg steuert eines von zwei Fahrzeugen der Worcester Public Library, eines davon trägt den Spitznamen Libby. Jeden Tag fahren sie ihre Runden durch die Stadt. Zu den Stammgästen gehört Mary Iram. Das Programm verantwortet Jason Homer, der Direktor der Bibliothek, die 1859 aus der privaten Büchersammlung des Arztes John Green hervorging.

Worcester steht damit nicht allein. Etwa hundert Kilometer westlich, in Chicopee, stieß die Einwohnerin Sarah Phaneuf eines Tages auf den Bücherbus ihrer Stadt: einen umgebauten Transporter, wie man ihn von Umzugsfirmen kennt, mit gelber Aufschrift. Die Bibliothekarin Kate Ouimette und die Kinderbibliothekarin Beth Oliveira fahren damit dreimal pro Woche los, unter anderem zur Wohnanlage Doverbrook und zum Jugendzentrum Cabot Manor.

In Quincy hat die Thomas Crane Public Library ein Bücherfahrrad angeschafft, für 10.000 Dollar, bemalt mit neonfarbenen Kranichen. Die Direktorin Sara Slymon beschreibt es als eine Art Eiswagen, nur eben mit Büchern. Das Bild trifft genauer, als man denkt. Bibliothekare im ganzen Bundesstaat erzählen, dass die Leute hupen und winken, wenn die Fahrzeuge um die Ecke biegen.

Hinter der Freundlichkeit steht eine nüchterne Rechnung. Einen Bus zu betreiben kostet rund 80.000 Dollar. Eine neue Filiale zu bauen kostet etwa 10 Millionen. Sieben der 15 Bibliotheken mit mobilem Angebot liegen in sogenannten Gateway Cities. So nennt das Gesetz in Massachusetts mittelgroße Städte, deren Haushaltseinkommen und Akademikerquote unter dem Durchschnitt des Bundesstaats liegen. Worcester, Chicopee und Quincy gehören dazu. Für solche Städte ist der Bus der Weg, alte Menschen in Pflegeheimen zu erreichen, Kinder in vernachlässigten Vierteln, Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit und Familien ohne verlässliches Auto. Newton und Watertown bereiten gerade ihre eigenen Busse vor.

Die Idee selbst ist über hundert Jahre alt. Im Jahr 1905 schickte Mary Lemist Titcomb, Bibliothekarin in Hagerstown, Maryland, einen Pferdewagen hinaus zu den Bauernhöfen. In seinen Regalen standen 200 Bände, dahinter lagerten weitere 2.360. Auf dem Kutschbock saß der Hausmeister der Bibliothek, Joshua Thomas. Die Pferde hießen Black Beauty und Dandy. Fünf Jahre später erfasste ein Güterzug den Wagen an einem Bahnübergang und zerstörte ihn. Mensch und Tier blieben unverletzt. Die Bibliothek gab nicht auf und schickte zwei Jahre später einen Wagen mit Motor auf die Strecke.

Landesweit sind die Bücherbusse seit den frühen Neunzigerjahren immer weniger geworden. In Massachusetts fahren inzwischen wieder mehr von ihnen. Und vor dem Pflegeheim in Worcester wartet Marc Lindberg, bis der Lift wieder oben ist, bevor er zur nächsten Haltestelle weiterfährt.