Was sie in dieser Stunde lernte, war früher schlicht nicht nötig gewesen. Man rief an oder ging hin. Man stellte sich an einen Schalter, und dort saß jemand. Heute meldet Hwang sich nicht einmal mehr allein zu ihrem Tanzkurs an — dafür braucht sie ihre Kinder, weil eine App den Schalter ersetzt hat.
Genau diese Abhängigkeit soll das Programm zurücknehmen. Seit 2020 betreibt das Ministerium für Wissenschaft und IKT landesweit sogenannte Digitale Lernorte; über 2.000 bestehende Seniorentreffs wurden seither mit Tablets und Übungsgeräten ausgestattet. Allein 2025 fanden mehr als 65.000 Kurse für rund 650.000 Menschen ab 60 statt. Wo die Älteren nicht von selbst kommen, fahren Kleinbusse mit Tablets und Attrappen-Kiosken zu Gemeindezentren und Regionalfesten.
In Suwon stand an jenem Nachmittag auch ein Roboterhund im Raum, zum Anfassen, zum Ausprobieren. Ein Vorführstück, gewiss. Aber es nahm dem Fremden die Schärfe.
Die Zahlen erklären, warum der Applaus nicht übertrieben war. Die vier größten Banken des Landes betrieben im September 2024 noch 2.824 Filialen, ein Fünftel weniger als vier Jahre zuvor. Draußen in den Provinzen trifft es die Menschen härter als in Seoul: In Ulsan verschwand jeder fünfte Geldautomat.
Die Politik hat reagiert, spät und stückweise. Seit Anfang 2023 gilt eine verschärfte Verordnung zur barrierefreien Gestaltung von Kiosken, seit Januar 2026 auch für bereits installierte Geräte. Seoul kündigte an, 5.000 städtische Terminals durch Versionen für digital ungeübte Nutzer zu ersetzen. Und im Februar 2024 empfahl die Nationale Menschenrechtskommission dem Ministerium ausdrücklich, für ältere Menschen nicht-digitale Alternativen vorzuschreiben.
Südkorea hat den Weg von der alternden zur hochbetagten Gesellschaft in etwa 24 Jahren zurückgelegt; Japan brauchte rund 35. Im Dezember 2024 waren 10,24 Millionen Koreaner 65 Jahre oder älter, ein Fünftel der Bevölkerung. Die Schalter verschwanden schneller, als die Menschen lernen konnten.
Hwang Sun-hee kommt wieder. Die Kurse sind auf Wiederholung angelegt, weil niemand an einem Nachmittag zurückgewinnt, was über Jahre abhandenkam.