Die Frau kam ohne Puls an. Die Reanimation lief, sie blieb erfolglos, und der Tod wurde festgestellt. In diesem Augenblick verschob sich die Aufgabe des Teams: Nicht mehr eine Patientin war zu retten, sondern zwei Kinder, die noch nichts vom Tod ihrer Mutter wussten und deren Sauerstoffvorrat mit jedem Herzschlag schwand, den es nicht mehr gab.

Baraka entschied sich für den Notkaiserschnitt. Zwischen dem Moment, in dem der Körper der Mutter den Operationssaal erreichte, und der Entbindung lagen zwei bis drei Minuten. Beide Zwillinge kamen lebend zur Welt, beide in stabilem Zustand. Der Kinderarzt konnte sie sofort untersuchen.

Die Minute war in dieser ganzen Sache entscheidend.

So beschrieb Baraka es später. Er schrieb den Ausgang nicht seiner Hand zu, sondern der Vorbereitung und der Abstimmung zwischen den Abteilungen. Ohne diese Bereitschaft, sagte er, wären beide Kinder mit ihrer Mutter gestorben.

Warum jede Sekunde zählt

Was in Saqulta geschah, heißt in der medizinischen Literatur perimortale Sectio, zunehmend auch resuszitative Hysterotomie. Der Namenswechsel spiegelt ein verändertes Verständnis: Die Entleerung der Gebärmutter gilt heute als Teil der Wiederbelebung der Mutter, nicht allein als Rettung des Kindes. Ab etwa der zwanzigsten Schwangerschaftswoche drückt die Gebärmutter bei liegender Patientin auf die untere Hohlvene und die Bauchschlagader; der Rückfluss zum Herzen versiegt, Herzdruckmassage wirkt weniger. Bei Zwillingen ist die Gebärmutter größer und der Druck entsprechend stärker.

Der Zeitrahmen, an dem sich Ärzte weltweit orientieren, stammt vom amerikanischen Geburtshelfer Vernon Katz, der 1986 empfahl, spätestens vier Minuten nach dem Herzstillstand zu schneiden und nach fünf Minuten entbunden zu haben. In einer erneuten Durchsicht der Fälle stellte Katz fest, dass die Aussicht auf ein neurologisch unversehrtes Kind jenseits dieser fünf Minuten steil abfällt.

Herzstillstand in der Schwangerschaft ist so selten, dass die meisten Geburtshelfer den Eingriff nie durchführen. Dass ein Kreißsaal in einem Distriktkrankenhaus am Nil, gut 470 Kilometer südlich von Kairo, dafür gerüstet war, ist keine Selbstverständlichkeit. Es war eine Entscheidung, die lange vor diesem Donnerstagmorgen getroffen wurde.