Die Entdeckung dieses namenlosen Bewohners der Urzeit ist das Ergebnis einer fast klösterlichen Geduld. In den Formationen von Lourinhã und Alcobaça suchten die Forscher nicht nach den gewaltigen Skeletten der Dinosaurier, die diesen Landstrich berühmt machten, sondern nach den Zeugnissen des Kleinen. Um diese winzigen Fragmente zu bergen, müssen tonnenschwere Blöcke aus portugiesischem Mergel und Ton in einem langwierigen Prozess mit Wasser aufgeweicht werden, bis sie ihren jahrmillionenalten Inhalt preisgeben.

Es ist ein methodischer Akt der Rückgewinnung: Aus grobem Schlamm wird Wissen. Die Forscher lassen die gelöste Erde durch Stapel von Sieben fließen, deren Maschen so fein sind, dass sie jedes Körnchen Versteinerung festhalten. Unter dem Stereomikroskop sortieren sie dann in stundenlanger Arbeit das getrocknete Konzentrat, bis sich zwischen taubem Gestein plötzlich die charakteristische Form eines Wirbels oder eines winzigen Zahns abhebt.

Diese Arbeit steht in einer langen Tradition, die bereits Mitte des neunzehnten Jahrhunderts begann, als Carlos Ribeiro erstmals die Wirbeltierreste an der portugiesischen Küste dokumentierte. Wo damals Pioniere mit bloßem Auge suchten, blicken die heutigen Wissenschaftler in die mikroskopische Tiefe, um das Ökosystem des Jura in seiner Gänze zu verstehen. Jedes identifizierte Knöchelchen schließt eine Lücke in der Chronik der frühen Landwirbeltiere.

Dass gerade Portugal nun diese neue Art preisgab, ist das Resultat einer stetigen Verfeinerung der Beobachtungsgabe. Die kleinen Amphibien, die einst flink durch das feuchte Unterholz schlüpften, geben uns heute eine Vorstellung davon, dass die Geschichte der Erde nicht nur von den Mächtigen geschrieben wurde, sondern auch von jenen Zerbrechlichen, die die Zeit in ihrem harten Griff bewahrt hat.