Jahrelang sprachen Fischer in der Region von flüchtigen Begegnungen im Morgengrauen, doch die Dives blieb offiziell ein leeres Revier. Erst die Hartnäckigkeit von Thomas, der für den Groupe Mammalogique Normand das Gelände sondierte, brachte Gewissheit. Er legte sich nicht mit der Kamera auf die Lauer, sondern suchte nach den Hinterlassenschaften der Tiere, bis schließlich ein Kamera-Stopp das Bild eines tauchenden Individuums einfing. Es ist eine stille Eroberung: Die Tiere wandern aus dem Orne-Becken ein, wo sich zwischen Putanges und Caen bereits etwa 28 Individuen etabliert haben.

Die Rückkehr ist ein spätes Echo auf eine Entscheidung aus dem Jahr 1972, als Frankreich die Jagd auf den Otter untersagte. In einem Jahrhundert war der Bestand von geschätzten 50.000 Tieren auf einen Tiefpunkt von etwa 1.500 im Jahr 1990 zusammengeschmolzen. Dass die Tiere nun den Weg zurück in den Calvados finden, verdanken sie ihrem dichten Fell mit bis zu 50.000 Haaren pro Quadratzentimeter, das sie in den kalten Strömungen schützt – doch gegen die moderne Welt der Straßen hilft ihnen dieser natürliche Panzer nicht.

Heute sind es nicht mehr Fallensteller, die das Überleben der Art bedrohen, sondern der Asphalt. Wenn die Flüsse steigen, meiden Otter die dunklen, reißenden Tunnel unter den Brücken und versuchen, die Straßen oben zu überqueren. Tony Guilloteau vom lokalen Wasserverband koordiniert deshalb ein Programm, das die Natur und die Infrastruktur versöhnen soll. An rund 20 Brücken werden derzeit sogenannte „banquettes à loutres“ installiert – schmale Konsolen aus Holz oder Beton, die es den Tieren ermöglichen, trockenen Fußes unter den Fahrbahnen zu passieren.

Die Zerbrechlichkeit dieser Rückkehr zeigte sich kurz nach der Entdeckung, als ein toter Otter flussaufwärts von Falaise gefunden wurde, vermutlich das Opfer einer Kollision. Dennoch setzen Thomas und seine Kollegen ihre Arbeit fort, renaturieren Teiche und sichern Wanderkorridore. Es ist ein langsamer, beharrlicher Prozess der Wiedergutmachung an einem Tier, das fast aus der Landschaft der Normandie verschwunden wäre.