Sein Gesicht ist von Sonne und Arbeit gegerbt wie die Erde, auf der er sitzt. Der Körper ist noch immer muskulös, der Blick hell. Neben ihm liegen die Werkzeuge seines Berufs: die spitze Nadel, der Meißel, der Winkel, Hammer und Vorschlaghammer, der hölzerne Maßstab, die Metallklingen.

„Wenn man mit dem Vorschlaghammer auf einen Felsbrocken schlägt, hört man irgendwann ein Vibrieren, ein Zittern“, sagt er. „Der Stein reißt und öffnet sich in zwei Teile. Das ist ganz sicher Befriedigung.“

Mit etwa zehn Jahren ging er zum ersten Mal mit seinem Vater Stavros Kontos zur Arbeit. Mit zwölf baute er bereits an Häusern mit. Sein eigenes Steinhaus errichtete er später von Hand, und wieder half ihm der Vater dabei. Auch seine Frau Vasso stand auf den Baustellen neben ihm. Das Leben der Familie spielte sich oft unterwegs ab. Die jüngere Tochter Myrsini kam an einem kalten 12. November auf der Straße zur Welt, als die Familie auf dem Weg ins Krankenhaus war. Ihre ältere Schwester heißt Angela.

Auf Lesbos nannte man diese Männer petrades. Mesotopos, ein Dorf mit einigen hundert Einwohnern, 74 Kilometer von der Inselhauptstadt Mytilini entfernt, war für seine Baumeister bekannt, die mit handbehauenem Stein arbeiteten. Ohne Maschinen spalteten sie große Felsbrocken mit eisernen Keilen, manchmal mit bis zu fünfzehn in einem einzigen Stein, und bearbeiteten die Stücke dann mit der Spitzhacke.

Kontos' eigentliches Fach sind die Xerolithies, Trockenmauern aus aufgeschichtetem Stein ohne Bindemittel. Einst zogen sie sich über die ganze Insel. Im Jahr 2018 nahm die UNESCO die Kunst des Trockenmauerbaus in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf, nach einer gemeinsamen Bewerbung von acht Ländern, darunter Griechenland. Was dort als Erbe verzeichnet ist, hat Kontos sein Leben lang mit den Händen getan.

Die feine Steinmetzarbeit, mit der er früher Häuser baute, macht er heute nicht mehr. Die Mauern auf seinem eigenen Land aber baut und flickt er weiter, Stein für Stein. Unter dem Feigenbaum hebt er den Hammer und wartet auf das Zittern im Fels.