Die Ruinen erzählen von der kurzen, stolzen Ära des Hammam ibn Yusuf, jenem Anführer der Hawwara-Stämme, der in der Spätzeit des Osmanischen Reiches ein fast unabhängiges Reich in Oberägypten errichtete. Zwischen 1709 und 1769 lenkte er von hier aus die Geschicke eines Territoriums, das von Al-Minya bis nach Assuan reichte. Wo heute nur noch Mauern aus Lehmziegeln stehen, pulsierte einst das Leben einer Verwaltung, die den Zuckerrohr- und Getreidehandel am Nil kontrollierte und den Mamluken in Kairo die Stirn bot.
Doch während Hammam seine Stadt baute, ahnte er nicht, dass seine Mauern auf den Gräbern einer längst vergangenen Gesellschaft ruhten. Als Tallets Team die oberen Schichten abtrug, stießen sie nicht auf das Fundament der Stadt, sondern auf die steinernen Deckel von Särgen aus der byzantinischen Zeit. Es ist eine seltene Überlagerung der Geschichte: koptische Textilfragmente, die fast unmittelbar unter den Überresten des 18. Jahrhunderts im Wüstensand liegen.
Im Zentrum der bioarchäologischen Untersuchung stehen nun 23 Skelette — Männer, Frauen und Kinder, die vor über einem Jahrtausend in dieser Erde bestattet wurden. Pierre Tallet und seine Kollegen fanden Spuren einer teilweisen Mumifizierung, ein Zeugnis jener Übergangszeit, in der die alten pharaonischen Bräuche langsam in die schlichteren Bestattungsformen der frühen Christen übergingen. Das Knistern der spröden, dunklen Leinenreste, die noch an einigen Knochen haften, ist das einzige Geräusch, das die Stille der Grabung unterbricht.
Diese Toten werden nun zur Quelle neuer Erkenntnisse über eine vergessene Gemeinschaft. Durch die Analyse der Knochen versuchen die Forscher, die Lebensbedingungen, Krankheiten und Migrationsbewegungen der koptischen Gesellschaft zu rekonstruieren. So begegnen sich in Al-Araki zwei Schicksale: das des ehrgeizigen Fürsten Hammam, dessen politischer Traum im Kampf gegen Kairo unterging, und das der namenlosen Menschen der byzantinischen Ära, deren Ruhe er unfreiwillig für Jahrhunderte schützte.