Sebastián Di Martino, der Naturschutzdirektor von Rewilding Argentina, beobachtet die Ankunft mit der Gelassenheit eines Mannes, der Jahre auf diesen Augenblick hingearbeitet hat. Der Riesenotter, den er den „Hauptprädator der Feuchtgebiete“ nennt, ist das fehlende Puzzlestück in einem der ambitioniertesten Renaturierungsprojekte Südamerikas. Auf den 756.000 Hektar des Gran Parque Iberá soll Nanay nun lernen, was kein Zoo der Welt ihm beibringen konnte: die Jagd im trüben Wasser der Lagunen.
Hier tritt Mario auf den Plan. Der einstige Freiwillige, der sich nun ganz der Ausbildung der Otter verschrieben hat, übernimmt die Rolle der Eltern. In speziellen Halbfreilandgehegen trainiert er Nanay darin, lebende Fische zu erbeuten. Es ist ein mühsamer Prozess des Wiederlernens, ein Versuch, die instinktiven Fäden der Evolution dort wieder anzuknüpfen, wo der Mensch sie im letzten Jahrhundert zerrissen hat.
Die Bedeutung von Nanays Ankunft reicht über die Grenzen Argentiniens hinaus. Sein genetisches Erbe, sorgfältig verwaltet durch europäische Zuchtnetzwerke, soll die kleine Population stärken, die bereits im Juni des Vorjahres in die Freiheit der Laguna Paraná entlassen wurde. Es ist ein Netz aus internationaler Zusammenarbeit, das von schwedischen Tierpflegern bis zu argentinischen Biologen reicht, um eine Lücke zu schließen, die seit 1986 klaffte.
Wenn Nanay den Kopf hebt, zeigt sich an seiner Kehle eine einzigartige Zeichnung aus weißem Fell. Dieses Muster ist so individuell wie ein menschlicher Fingerabdruck und wird es den Forschern ermöglichen, ihn in der Weite der Sümpfe wiederzuerkennen. Sein Name, entlehnt von einem fernen Fluss im peruanischen Amazonas, wo seine Artgenossen noch ungestört leben, ist nun auch in Corrientes ein Versprechen auf eine Zukunft, in der das Wasser wieder seinen rechtmäßigen Jäger hat.